GQ-Kolumnisten
Gisbert L. Brunner

"Zeit für Gisbert" - Niemand hat den Uhrenboom so hautnah miterlebt wie Gisbert L. Brunner, niemand kennt sich besser aus mit stilvollen Zeitmessern. Er schreibt über die Technik, die Branche und die Macher hinter den Uhren.

Wie geht es Zenith? Was wird aus Zenith unter Leitung von Aldo Magada?

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Aldo Magada

Den neuen CEO habe ich gestern, am 21. September 2014 auf Ibiza im Rahmen des diesjährigen Finale der Zenith Royal Cup Marina Ibiza Regatta getroffen. Die hier startende TP 52-Klasse gilt als Formel 1 unter den Segelbooten. Sieger war das amerikanische Quantum-Team. Zenith fungiert hier als offizieller Zeitnehmer.  

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Das Sieger-Boot des amerianischen Quantum Teams

GLB: Wir kennen uns durch deine Tätigkeiten bei Ebel, Omega, Piaget, Gucci und Breitling. Außerdem hat du in leitender Funktion bei Reuge Music gearbeitet. Seit Juli 2014 bist du CEO bei Zenith. Was unterscheidet Zenith von den anderen Uhrenmarken, für die du tätig warst?

Aldo Magada (AM): Zenith ist ein wenig anders. Das ist auch mehr oder weniger der Grund, warum ich hier bin. Aus dir spricht der Uhrenliebhaber, und der ist bei Zenith je bekanntlich besonders gut aufgehoben. Zenith könnte eine kleine Firma sein, aber es handelt sich um eine großartige Marke und eine bedeutende Manufaktur. Zenith ist eine Traditionsmanufaktur mit unglaublich viel Erfahrung. Nicht zuletzt deshalb besitzt sie viel Entwicklungspotenzial. Nicht nur beim Umsatz, sondern auch auf dem Gebiet der uhrmacherischen Mechanik. Für mich gilt es, Zenith in mehrerlei Hinsicht für die nächste Dekade vorzubereiten.

GLB: Zenith wird nächstes Jahr 150 Jahre alt …

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Gründete Zenith vor 149 Jahren in Le Locle: Georges Favre-Jacot

AM: … ganz recht, und trotzdem sind wir weder von gestern noch werden wir morgen sterben. Das ist völlig unabhängig von Aldo Magada. Die Marke und Manufaktur sind insgesamt sehr viel stärker als es jeder CEO sein kann. Meine Aufgabe besteht darin, der Marke auf einem adäquaten Level zu dienen und sie zukunftsfähig zu machen, und sie eines Tages topfit an einen Nachfolger zu übergeben.  

GLB: Du bist ein Schüler oder Zögling von Jean-Claude Biver, der im Auftrag der LVMH-Gruppe ja bekanntlich den drei Marken Hublot, TAG Heuer und Zenith als Über-CEO vorsteht.

AM: Ich bin stolz, die Schule von Jean-Claude Biver durchlaufen zu haben und im jetzt im Hause Zenith ein zuverlässiger Sparringspartner zu sein. Jean-Claude ist schlichtweg gut. Zeitweise vertritt er extreme Positionen und extreme Ideen, aber nur so kann man sich oder ein Unternehmen weiter entwickeln, Wenn man stark ist und gute Argumente besitzt, lässt sich Jean-Claude gerne von anderen Ansichten überzeugen.

GLB: Als neuer CEO bist du aber sicher mit eigenen Ideen und einer eigenen Philosophie zu Zenith gestoßen. Sie sind unabdingbare Voraussetzungen dafür, die Zukunft einer Marke zu entwickeln.

AM: Richtig. Wir reden von der Zukunft der Marke, aber auch von der Zukunft der gesamten Firma. Ja, da besitze ich klare Visionen im Bezug auf die Produkte und das Marketing. Nachdem du weißt, dass ich aus der Jean-Claude-Biver-Schule komme, sollte dir auch bekannt sein, dass dort 1 + 1 nicht 2 sondern 3 sind. Darunter kann man beispielsweise verstehen, dass wir großen Wert legen auf das Heben von Synergien, Die Aussage, wir haben zu wenig Geld für dies oder das gilt nicht. Geld kann nicht  das Hauptproblem sein. Man muss Ideen entwickeln, wie man die vorhanden Mittel optimal einsetzt.

GLB: Ja, das ist typisch Biver. Man erinnere sich nur an seine Anfänge im Jahr  2004. Da gab es kaum Marketing-Budgets und Biver hat Hublot trotzdem wie eine Rakete nach oben getrieben. Alle Welt sprach plötzlich über Hublot.

AM: Das war eine echte Glanzleistung. Was ich mit Zenith im Schilde führe, ist klassisch zu bleiben, wie es Jean-Fred Dufour praktiziert hat, aber doch etwas weniger traditionell. Wir werden Uhrmacherei weiterhin groß schreiben. Viele bezeichnen Zenith als kleine Manufaktur. Ich meine, Zenith ist eine große Manufaktur, selbst wenn wir uns natürlich nicht mit Patek Philippe und Rolex, um nur zwei Beispiele zu nennen, messen wollen. Unstrittig ist sicher, dass wir keinen Deut weniger Expertise besitzen. Aber wir möchten uns anders positionieren.

GLB: Wie sollen die Leser das verstehen?

AM: Wir haben neue Kaliber in der Pipeline, über die ich konkret noch nicht reden möchte, weil sie unfertig sind. Aber wenn wir die Newcomer vorstellen, wird man sehr schnell begreifen, was ich unter anders positionieren begreife. Am El Primero-Kaliber haben die Techniker vier Jahre gearbeitet bis es perfekt funktionierte.

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Das  1969 lancierte und seitdem kontinuierlich optimierte Kaliber El Primero mit Zehntelsekunden-Chronograph

Und wir bleiben unseren Prinzipien treu, ein Produkt bis zum Ende zu entwickeln, bevor wir es auf den Markt bringen. Wenn es sein muss, warten wir ein Jahr länger. Hauptsache, alles funktioniert zuverlässig und wunschgemäß.

GLB: Was ist aus den während der Baselworld geäußerten Auffassungen geworden, Zenith werde künftig auch Sellita-Kaliber verbauen?

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Drei Zeiger: Zenith Elite

AM: Dieses Unterfangen haben wir gestoppt. Zenith wird auch künftig eine hundertprozentige Manufaktur bleiben. In diesem Zusammenhang werden wir unsere Elite-Automatikkaliber in eine neue Generation weiter entwickeln. Und zwar in einem vernünftige Rahmen. Darauf versteht sich Zenith trefflich, wenn man die Genese des El Primero betrachtet. Verglichen mit 1969 handelt es sich nur vordergründig um das gleiche Werk. Aber im Laufe von 45 Jahren hat sich unglaublich viel verändert. Zahlreiche Modifikationen haben das Werk viel besser gemacht, als es einst war.

GLB: Kommen wir nochmals auf den 150. Geburtstag zurück. Da wird Zenith doch sicher mit neuer Mechanik aufwarten.

AM: Definitiv. Aber wir werden keine verrückten oder ultrakomplizierten Dinge vorstellen. Also keine Taschenuhr, die mehr kann als das Kaliber 89 von Patek Philippe. Das ist nicht untere Baustelle. Wir kommen mit Neuigkeiten, die Sinn machen, interessant für Uhrenliebhaber sind und erschwinglich bleiben. Wir wollen Dinge anders anpacken als üblich. Bestes Beispiel ist die Christoph Kolumbus, bei der die Unruh immer waagrecht schwingt und so der Schwerkraft auf geniale Weise keine Chance gibt.image

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Zenith  Christoph Colomb mit in allen Lagen der Uhr waagrecht schwingender Unruh

GLB: Auch wenn simple Lösungen in der Umsetzung mitunter ausgesprochen kompliziert sind.

AM: Da hast du vollkommen recht Aber es bleibt dennoch eine simple Lösung, maßgeschneidert für Armbanduhren. Uns käme es nicht in den Sinn, vier Tourbillons in einem Werk zu verbauen. Wir wollen einfache, clevere Antworten auf bewegende uhrmacherische Fragen. Und das auf einem vernünftigen preislichen Level.

GLB: Jean-Fred Dufour verfolgte das Ziel, bei Zenith sehr viel Uhr für’s Geld zu bieten.

AM: Glaube mir, die Preise waren mitunter zu niedrig. Aber du hast recht: Zenith hat gemessen am uhrmacherische Gebotenen teilweise recht aggressive Preise. Nur ist es uns nicht immer gelungen, der potenziellen Klientel zu verdeutlichen, was sie für ihr gutes Geld von Zenith tatsächlich an Werten bekommt. Andererseits muss ich aber auch sagen, ohne ein Wort Kritik an meinem Vorgänger üben zu wollen, dass wir da und dort die Preise überdenken müssen, wenn sie nicht kostendeckend sind.

GLB: Kannst du uns ein Beispiel nennen?

AM: Ich denke an das neue Captain-Tourbillon in Stahl für 26.700 Euro mit  Automatikwerk auf El Primero-Basis mit 199 Bauteilen und fünf  Hertz Unruhfrequenz. Wo gibt es so etwas sonst mit echter Schweizer Manufaktur?

Erstmals hier zu sehen: Das brandneue Captain Tourbillon von Zenith mit einem um 30 Grad nach rechts gedrehten El Primero-Kaliber ohne Chronograph, Unruhfrequenz fünf Hertz

GLB: Was soll ich sagen, als dir voll und ganz zuzustimmen. Diese Uhr ist in der Tat ein Hammer in Sachen Preis und Leistung. In eurer Kollektion habt ihr die Linien Academy, El Primero, Captain, Elite, Pilot und auch noch Star. Verliert man damit nicht ein wenig den Überblick.

AM: Du sagst es. Hier besteht Handlungsbedarf. Wir werden sehr aggressive bei der Stamm-Linie El Primero vorgehen. Die besitzt höchste Priorität. Die Version open ist das beste von Thierry Nataf und Jean-Fred Dufour. Nataf hat Werk und Zifferblatt geöffnet, Jean-Fred brachte das klassische Gehäuse dazu. In der Kombination ein perfektes Produkt. Das ist einer unserer Bestseller hinsichtlich Menge und Wert und zeigt überdeutlich, dass die Marke mehr und stärker ist als in diesem Fall zwei CEOs.   

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Das Beste von Nataf und Dufour Der El Primero Chronograph mit offenem Herzen

Trotzdem werden wir kleine Veränderungen und Verbesserungen am Produkt vornehmen, welche die Kunden auf den ersten Blick vielleicht gar nicht sehen. Dadurch wollen wir diese Uhr am Markt taktisch noch besser positionieren. Insgesamt ist El Primero für Zenith eine entscheidende tragende Säule. Die zweite heißt ganz klar Elite. Das ist ein einfacheres, aber klassisches und feines Produkt mit drei Zeigern. Weniger traditionell, jedoch zeitlos und nicht verrückt. Beide Linien werden sich bis in die Haute Horlogerie erstrecken.

GLB: Heißt?

AM: Bei El Primero haben wir beispielsweise des Basis Chronograph, dann den Open und oben den Chronograph mit Tourbillon. Akademy wird umbenannt.

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Gehört zu Zenith wie das Salz zur Suppe: der El Primero Chronograph

GLB: Sind die Frauen für euch den auch bedeutend?

AM: (lacht) Für jeden Mann sind die Frauen bedeutend. Aber im ernst. Da müssen wir handeln. Wir haben die Star Linie. Aber das ist in meinen Augen nicht die Antwort. Unabhängig davon, ob mir das Produkt gefällt oder nicht, sprechen die Verkaufszahlen eine deutliche Sprache. Sie verkünden Handlungsbedarf.

GLB: Ein ganz neues Produkt also?

AM: Für mich muss eine Damenuhr zum einen die Werte von Zenith repräsentieren und anderseits zusammen mit Frauen für Frauen kreiert werden. Da müssen wir noch einige Studien betreiben, weshalb dieses Produkt 2015 nicht fertig sein wird, aber definitiv 2016. Frauen wollen heute auch etwas Technisches, weshalb sie sich oft Herrenuhren kaufen. Unsere Damenuhr muss voll und ganz auf die Wünsche anspruchsvoller Frauen zugeschnitten sein. Auch beim Design, wenn ich die Gestalt der Anstöße als Beispiel nennen darf. Das Gehäuse darf nicht zu flach daherkommen, das widerspricht der Ergonomie.

GLB: Ganz generell ist ja der Trend zu etwas kleineren Gehäuse für Zenith mit dem vergleichsweise zierlichen El Primero ein großer Vorteil…

AM: Ja, genau, hier sind wir jetzt sehr flexibel. Aber vielleicht sollten wir auch an ein größeres El Primero mit weiter auseinander liegenden Achsen denken. Da würde uns ein 43-Millimeter-Gehäuse mit besserer Zifferblatt-Ästhetik erlauben.

GLB: Wie ist es um die Zukunft der Pilot-Linie bestellt.

AM: Als eigenständige Linie sehe ich keine Zukunft, aber vielleicht im Rahmen von Retro- oder Museums-Modellen schon.

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Zukunft so fraglich: die Zenith Pilot GMT

GLB: Kommen wir noch einmal zum 150. Geburtstag. Wie sieht es denn mit dem Zenith Museum aus. Wird es nächstes Jahr eröffnet?

AM: Das sehe ich noch nicht. Aber wir werden mit Sicherheit in der Manufaktur einen Ort haben, wo wir alte Uhren zeigen. Allein schon deshalb, weil wir mehr und mehr Besuch von Kunden und anderen Interessierten bekommen. Die erleben unsere Manufaktur, und sollen natürlich auch von unserer großartigen Vergangenheit etwas mitbekommen.

GLB: Wie steht es mit Retro-Uhren aus diesem Anlass?

AM: Wir besitzen noch etliche Restbestände alter Werke. Nicht alle eignen sich für Retro-Uhren, aber manche könnte ich mir nach gründlicher Überarbeitung und Optimierung an entscheidenden Punkten schon in Museums-Modellen vorstellen, die vielleicht nicht jedes Jahr aber doch in schöner Regelmäßigkeit auf den Markt kommen könnten. So, wie die streng limitierte Montre d’Aeronef Typ 20 mit dem bombastischen Handaufzugskaliber 5011.

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Im Nu ausverkauft: Die limitierte Montre d’Aeronef Typ 20 mit dem chronometerzertifizierten Taschenuhrkaliber 5011

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GLB: Letzte Frage. Ab wann feiert Zenith in 2015 seinen Geburtstag? 

AM: Unsere Geburtstagsfeierlichkeiten beginnen während der Baselworld 2015, denn Zenith wurde irgendwann im März 1865 gegründet. Ehrlich gesagt wissen wir den genauen Tag nicht. Daher haben wir uns für den 18. März entschieden, wenn in Basel der Pressetag über die Bühne geht.

Maserati feiert den 100. Geburtstag in der Fabrik in Modena

Offiziell wird die italienische Sportwagenschmiede erst am 1. Dezember 2014 genau 100 Jahre alt. An eben jenem Tag des Jahres 1914 verzeichnet die Stadt Bologna die Gründung der Società Anonima Officine Alfieri Maserati. Das Markenzeichen, der Dreizack, italienisch Tridente erinnert an den Neptunbrunnen in Bologna. Am Anfang standen ausschließlich Rennwagen. 1937 erfolgte die Integration ins verzweigte Imperium des Grafen Adolfo Orsi. Der ersten Serienwagen namens Maserati A6. 1968 übernahm Citroen mehr als 60 Prozent den Firmenanteile. Danach, konkret 1993 ging die Aktienmehrheit a Fiat über. 1997 gelangte Maserati unter das Dach von Ferrari. Zunächst besaß die Fiat-Tochter 50% von Maserati, ab 1998 das gesamte Unternehmen.

Der deutsche Maserati-CEO Harald Wester begrüßt die Gäste

In Sachen Uhren kooperierte Maserati ab 2005 mit Audemars Piguet. In diese Epoche fiel der ultrasportive Bolide MC 12, dem die Manufaktur das Modell Millenary MC 12 mit Karbonfaser-Platine  zur Seite stellte.

Den 100. Geburtstag begeht Maserati (Die Partnerschaft währt seit 2012) mit einer anderen italienischen Nobelmarke, die dieses Jahr 130 Jahre alt ist: Bulgari. Diese Geschichte dieses Unternehmens geht auf Sotiro Bvlgari zurück. Armbanduhren sind dort seit 1975 mit dem Lancement der „Bvlgari Roma“  und der Vorstellung der „Bvlgari Bulgari“ im Jahr 1977 ein Thema.

Zur Premiere des brandneuen Octo-Maserati-Chronographen war ich in dieser Tage Modena und Turin, wo ich Gelegenheit hatte, mit Bulgari-CEO Jean-Christophe Babin über diese Kooperation zu sprechen. Näheres werde ich in Kürze posten.

Bulgari-CEO Jean-Christophe Babin

Viel wichtiger ist mir, die Uhr so schnell wie möglich hier vorzustellen. Im typischen Octo-Stahlgehäuse tickt das El-Primero-Kaliber mit fünf Hertz Unruhfrequenz. Dieses Uhrwerk gestattet Stoppungen zwischen einer Zehntelsekunde und zwölf Stunden.

Wer das Uhrwerk visuell begutachten möchte, muss genau hinsehen, denn das rückwärtige Saphirglas weist nur dann eine gewisse Transparenz auf, wenn man es in einem bestimmten Winkel hält. Ansonsten stechen der legendäre Dreizack und der Schriftzug Maserati förmlich ins Auge.

Die Limitierung auf 1914 Exemplare ist logisch und nachvollziehbar. 100 Stück wären definitiv zu wenig gewesen. Der Preispunkt liegt bei 9.700 Euro.

Der Vertrieb erfolgt hauptsächlich über die weltweit 200 Bulgari-Boutiquen sowie die 700 Fachhandels-Partner. Maserati-Konzessionäre können sich bewerben, müssen aber hoch gesteckte Qualitätsansprüche in Sachen Vertrieb und Präsentation erfüllen. Weiteres, wie geschrieben, in einigen Tagen.

 

Im Zusammenhang mit ihrer Generalversammlung 2014, welche die Richemont-Gruppe am 17. September 2014 in Genf abhielt, erfolgte auch eine Publikation der Verkaufszahlen für die ersten fünf Monate des aktuellen Geschäftsjahres, also für die Zeit vom 1. April bis 31. August 2014. Unter Berücksichtigung von Währungseffekten, darunter ein schwacher Dollar und Yen gegenüber dem Euro während dieser Periode ergibt sich ein Wachstum von einem Prozent. Ohne Währungseffekte wären es vier Prozent gewesen. Zur Erinnerung: Der Richemont-Konzern gebietet unter anderem über die Marken A. Lange & Söhne, Baume & Mercier, Cartier, Dunhill, IWC, Jaeger-LeCoultre, Montblanc, Panerai, Piaget, Vacheron Constantin, Van Cleef & Arpels    

Aufgeschlüsselt ergibt sich folgendes Bild: 

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Aus den Zahlen lässt sich die anhaltende Schwäche im asiatischen Raum einschließlich Japan unschwer entnehmen, während der amerikanische Kontinent deutlich zulegte. Das durch die Touristenströme erzeugte Wachstum in Europa sowie im Mittleren Osten hielt war an. Aber hier sorgten vor allem zweistellige Zuwachsraten im Mittleren Osten für das dargestellte Resultat, während Europa selbst ein nur schwaches Wachstum vorweisen konnte.  

Im Fernen Osten schwächelte das Geschäft in Hongkong, Macau und Festland-China. Die Luxusgüter-Politik der chinesischen Regierung zeigt definitiv Wirkung. Auf dem chinesischen Festland wuchs das Boutique-Geschäft während der Fach-Einzelhandel Schwächen zeigte. In Japan machten sich vorgezogene Käufe bis März 2014 wegen einer anstehenden Erhöhung der Umsatzsteuer –wie prognostiziert- bemerkbar.

Das Einzelhandels-Geschäft, also die Boutiquen der Richemont-Marken und der Internet-Kanal Net-A-Porter schnitten bei den Verkäufen besser ab als der Großhandels-Kanal hin zum traditionellen Fachhandel.

Bei Cartier übertraf das Schmuck-Geschäft den unter schwächerer Nachfrage und Lagerbereinigung leidenden Uhrenverkauf. Das traf insbesondere auf den asiatischen Raum zu. Montblanc wird fortan nicht mehr separiert sondern in der Rubrik Andere geführt.

Im Vergleich zu den Richemont-Zahlen  hier auch noch die Schweizer Uhrenexporte von Januar 2014 bis Juli 2014 im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum (Quelle FHS):

 

Unter den Uhrwerken mit Selbstaufzug und Chronograph nimmt das Valjoux/Eta 7750 mit Sicherheit eine Sonderstellung ein. Kein anderes Kaliber dieser Art ist derart lange und erfolgreich auf dem Markt. Das Debüt erfolgte bekanntlich 1973 und damit im Jahrzehnt der heftigen Quarz-Krise.image

Unveredeltes Kaliber Eta/Valjoux 7750 oben mit und unten ohne Rotor

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Obwohl die Jahresproduktion nach dem Lancement rasch Größenordnungen von circa 100.000 Exemplaren erreichte, drohte dem Newcomer bereits 1975 das endgültige Aus. Nachdem stürmische Proteste des Edmond Capt, der das Entwicklungsteam geleitet hatte, bei Valjoux ungehört verhallten, verstaute er Substantielles an sicherem Ort. Dann hieß es warten, was sich letzten Endes jedoch absolut lohnte. Mit der Renaissance mechanischer Uhren ab 1983 konnte sich das Valjoux 7750 mit jährlich mehr als 200.000 Stück rasch und nachhaltig in einsame chronographische Höhen aufschwingen.

Auf den erfolgreichen Relaunch des Kalibers 7750 folgte relativ rasch die erste Erweiterung um die beliebte Mondphasenindikation. Beim 7750 CCL („con cours de lune“ fand sie sich bei der „3“. Außerdem gab es ein mittig angeordnetes Zeigerdatum. 1986 folgte das deutlich komplexere 7751 mit einfachem Vollkalendarium (Zeigerdatum, digitale Wochentags- und Monatsanzeige) sowie konventionell fortgeschaltete Mondphasen bei der „6“. Will heißen, auf einer Scheibe mit 59 Zähnen finden sich gegenüber liegend zwei Monde, von denen jeweils einer in Aktion tritt. Das korrekte Einstellen der kalendarischen Mechanik erleichtert eine zusätzliche 24-Stunden-Indikation. So kann Mann unkompliziert sicherstellen, dass Datum, Wochentag, Monat und Mondphasen -wie es sich gehört- vom Uhrwerk mitternächtlich und nicht mittags fortgeschaltet werden. Gemessen an den Stückzahlen des 7750 ist das gleich große und hohe 7751 relativ rar. Für ein Uhrwerk benötigen die Uhrmacher ca. 280 Bauteile.

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Wempe Zeitmeister Glashütte i/SA Chronograph Vollkalender Mondphase

Wegen der relativ hohen Komplexität verwendet der Hamburger Juwelier und Feinuhrmacher Wempe das 7751 jetzt für sein brandneues Flaggschiff der 2006 lancierten „Zeitmeister“-Linie.

Der seit acht Jahren praktizierten Produktphilosophie folgend, liefert Wempe auch diesen 42 Millimeter großen „Zeitmeister“ mit einer amtlichen Chronometerprüfung gemäß DIN 8319. image

Der Genauigkeitscheck untersteht dem Landesamt für Mess- und Eichwesen Thüringen sowie dem sächsischen Staatsbetrieb für Mess- und Eichwesen. image

2006 erhielt Hellmut Wempe (links) das behördliche Zertifikat zur Durchführung der deutschen Chronometerprüfung

Die einzige deutsche Prüfstelle für Armbandchronometer findet sich in der Glashütter Sternwarte. image

Wempe Sternwarte in Glashütte

Dort muss sich ausnahmslos jeder komplett montierte Wempe „Zeitmeister“, egal ob mit mechanischem oder elektronischem Innenleben, einem 15 Tage währenden Prüf-Prozedere in den fünf Positionen „Krone links“, „Krone oben“, „Krone unten“, „Zifferblatt oben“ und „Zifferblatt unten“ bei verschiedenen Temperaturen unterziehen. image

Chronometer-Prüfraum in Glashütte

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Sternwarte Glashütte, Klimaschhrank  zur Prüfung von deutschen Chronometern - geschlossen

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Sternwarte Glashütte, Klimaschhrank  zur Prüfung von deutschen Chronometern - geöffnet

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Alle Prüf-Kandidaten werden ständig von Zeitwaagen und Computern überwacht

Am Ende muss der mittlere tägliche Gang im Bereich zwischen –4 und +6 Sekunden liegen. Die mittlere tägliche Gangabweichung darf zwei und die größte fünf Sekunden nicht überschreiten. Selbstverständlich steht das Gangverhalten auch mit eingeschaltetem Chronographen auf dem Prüfstand. Nach erfolgreich verlaufenem Test gibt es eine Prüfbescheinigung, welche zum Tragen des uhrmacherischen Adelsprädikats „Chronometer“ berechtigt. Auf dem Boden findet sich eine Reliefgravur der Glashütter Sternwarte.image

Faktisches zum Wempe Zeitmeister Glashütte i/SA Chronograph Vollkalender Mondphase

Uhrwerk:                        

Kaliber Eta 7751 Automatik, einseitig aufziehender Kugellagerrotor, Achtelsekunden-Chronograph, 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler, einfaches Vollkalendarium und Mondphasenanzeige, zusätzliche 24-Stunden-Indikation

Durchmesser:         13¼‘‘‘ oder 30,00 mm,

Höhe:                      7,90 mm

Lagersteine:            25

Unruhfrequenz:       vier Hertz oder 28.800 Halbschwingungen/Stunde

Gangautonomie:     48 Stunden

Spezifikum:            

Wempe-Feinregulierung für den Rücker;  offiziell nach DIN 8319 geprüfter deutscher Cronometer

Gehäuse:                       

Edelstahl, Durchmesser 42 mm, Höhe 14,71 mm, geschraubter Gehäuseboden mit Reliefgravur der Sternwarte, wasserdicht bis fünf bar

Glas:                       Saphirglas, innen entspiegelt

Armband:                Alligator Fullcut, Anstoß 20 mm

Referenznummernund Preise:            

WM530001 (versilber mit Lederband)     3.475,- €

                               WM530002 (schwarzmit Lederband )     3.475,- €

                               WM530003 (versilbert mit Stahlband)     3.490,- €

                               WM530004 (schwarz mit Stahlband)       3.490,- €

Verfügbarkeit:        

ab Oktober 2014 in allen Wempe-Niederlassungen weltweit       

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Wenn’s recht ist, zitiere ich wortwörtlich. Und das mit einem gewissen Schmunzeln um meine Mundwinkel. Denn das, was ich soeben im Flugzeug auf dem Weg nach Zürich auf Seite 21 einer Broschüre gelesen habe, die der Süddeutschen Zeitung zur Eröffnung des „Uhren-Premium-Center“ in der Münchner Galeria Kaufhof beiliegt, eröffnet mir uhrmacherisch zum Thema Tourbillon völlig heue Horizonte:

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Glossar zum Thema Tourbillon in einer Broschüre zur Eröffnung des “Uhren-Premium-Center” der Münchner Galeria Kaufhof am Marienplatz

Hier also das Zitat: „Breguet beobachtete, dass die Miniatur-Uhrenwerke durch das ständige Bewegen der Taschenuhr Gangungenauigkeiten entwickelten. Schließlich war bis dato die Standuhr, die wichtigste Uhr – und diese bewegte ja lediglich das Pendel. Der findige Uhrmacher suchte nach einer Lösung und beschloss, der Gangungenauigkeit mittels einer fliegenden Aufhängung entgegenzuwirken. Das war die Geburtsstunde des Tourbillon. Natürlich gab es Nachahmer und Mechaniker, die den Grundgedanken Breguets als Ausgangsbasis aufgriffen, um das Tourbillon weiterzuentwickeln. Einer von Ihnen ist der Uhrmachermeister Alfred Helwig, der 1920 das ‚fliegende“ Tourbillon erfand, dessen Besonderheit der Verzicht der oberen Brücke ist. Somit wird der Anker –das Herzstück des Tourbillons- nur von der unteren Seite gelagert.“image

Abraham-Louis Breguet und seiAntrag auf Erteilung eines Patents für sein Tourbillon. Der Altmeister würde sich bei der Lektüre des oben abfotografierten Glossar zum Thema Tourbillon im Grabe umdrehen,

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Man lese und staune. Ich jedenfalls zweifle persönlich nun an all dem, was ich in den vergangenen 33 Jahren journalistisch von mir gegeben habe.

Nach meinem bisherigen Verständnis erfand Abraham-Louis Breguet gegen 1795 seinen Drehgang zur Kompensation negativer Auswirkungen der Gravitation auf den Gang mechanischer Taschenuhren in senkrechter Position. Fehler treten dann auf, wenn sich der Schwerpunkt von Unruh und Unruhspirale nicht im Zentrum der Unruhwelle befindet. Selbst gewissenhafteste Regulierung durch erfahrene Uhrmacher beseitigt diese Probleme immer nur zeitweise. Über kurz oder lang sind die Fehler wieder da. Weil Eliminieren nicht funktionierte, setzte Abraham-Louis Breguet auf Kompensation durch Montage des kompletten Schwing- und Hemmungssystems, also Unruh, Unruhspirale, Anker und Ankerrad in einem filigranen Stahlkäfig. Den ließ er einmal pro Minute um seine nicht „fliegende Aufhängung“, wie es uns die Galeria Kaufhof weis machen möchte, sondern die oben und unten gelagerte Achse drehen. Auf diese Weise klappte das intendierte Nullsummenspiel. Gang grob gesagt geht die Uhr –in Hängelage wohlgemerkt- beispielsweise 30 Sekunden lang vor und die nächsten 30 Sekunden um den gleichen Betrag nach.

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Konventionelles Tourbillon im Detail (Audemars Piguet - nicht im Uhren-Premium-Center vertreten)

Der „nur von der unteren Seite gelagerte Anker“ verkörperte, wenn er denn existierte, in der Tat eine kleine uhrmacherische Revolution. Aber es gibt ihn nicht. Auch nicht im genialen „fliegenden“ Tourbillon.

Abgesehen von Ausnahmen, beispielsweise in den ultraflachen Kalibern 1200 und 2000 von Jean Lassale,

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Funktionierte auf Dauer schlichtweg nicht: das Handaufzugskaliber 1200 von Jean Lassale

der manche Räder aber nicht den Anker „fliegend“ in Miniaturkugellager steckte und damit richtig Schiffbruch erlitt, besitzt das Allermeiste, was sich in Uhrwerken dreht, zwei Lager. Das gilt auch für Tourbillon-Konstruktion. Bei der klassischen, 1801 für Abraham-Louis Breguet patentierten, drehen sowohl das obere wie auch untere Ende der Käfigwelle in Lagern. Eines davon befindet sich in der Werkplatte, auch Platine genannt, das zweite gegenüber in einem Kloben oder einer Brücke. Ganz so, wie man es traditionsgemäß auch beim Lagern der Unruh macht.

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Konventionell gelagertes Tourbillon nach Abraham-Louis Breguet

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Ein Beispiel von Patek Philippe (nicht im Uhren-Premium-Center vertreten) aus dem Jahr 1949

Bis 1920 gab es dazu keine Alternative. Selbige präsentierten dann Alfred Helwig, seit 1913 Lehrer an der Glashütter Uhrmacherschule, und sein Schüler Conrad Richter in Gestalt des „fliegenden“ Tourbillons, welches durch eine bis dahin ungekannte Ästhetik verblüffte. Weder ein Kloben noch eine Brücke beeinträchtigte die Sicht auf das kunstvoll ausgeführte, einem Spinnennetz ähnelnde Drehgestell.

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"Fliegendes" Tourbillon nach Alfred Helwing ausgeführt von Glashütte Original (nicht im Uhren-Premium-Center vertreten)

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"Fliegendes" Tourbillon von Alfred Helwig. Unten sieht man den so genannten "Turm" mit zwei Lagern und dem "An"-Trieb in der Mitte

Freilich konnten auch die beiden Sachsen den ehernen Gesetzen der Mechanik kein Schnippchen schlagen. Ergo besitzen „fliegende“ Tourbillons à la Helwig ebenfalls zwei Lager. Aber die befinden sich -in geziemendem Abstand zueinander- diskret auf der rückwärtigen Seite des Drehgestellbodens. Die gesamte Lagerung bezeichnete Helwig seinerzeit als „Turm“. Zwischen den Lagern befindet sich -per Presssitz und damit demontierbar auf der langen hinteren Tourbillonwelle befestigt-, der Trieb zur Mobilisierung des Drehgangs. Ihm kommt überdies die Aufgabe zu, die Höhenluft des Tourbillons zu begrenzen.

Im Käfig selbst ließen der Meister und sein Schüler logischer Weise alles beim Alten. Breguet hatte hier nämlich ganze Arbeit geleistet. Unruh, Ankerrad und selbstverständlich auch der Anker sind im Drehgestell gelagert. Oben und unten, wie eh und je.  

Und damit zurück zur Uhr-Postille, in der auch ein Interview mit dem Uhrmachermeister Gerd-Rüdiger Lang, einst Gründer der Uhrenmarke Chronoswiss, zu lesen ist. Angesichts des eingangs erwähnten Zitats stelle ich mir die Frage, ob es um die Kompetenz in diesem Geschäft ähnlich bestellt ist, wie in der Broschüre unter der Überschrift „Was ist ein Tourbillon – kleiner Wirbelwind“ schwarz auf weiß zum Ausdruck gebracht. Haben Uhrmachermeister Ingo Liebers, der im Heft ebenfalls ein Interview gibt und wohl in besagtem Uhren-Premium-Center eine leitende Funktion einnimmt sowie Michael Fecher, der gleichfalls zitierte Abteilungsleiter der Uhrenwelt in der Galeria Kaufhof am Marienplatz dieses Traktat und andere Kuriositäten nicht gelesen? Wenn ja, und ihnen Obiges trotzdem nicht aufgefallen ist, sollten sich Uhrenfans zum Kauf einer feinen mechanischen Armbanduhr doch lieber nicht ins Kaufhaus sondern zum etablierten Fachhandel in der bayerischen Landeshauptstadt begeben. Dort wird ihnen sicher nicht erzählt, dass man „der Gangungenauigkeit mittels einer fliegenden Aufhängung entgegenwirkt und der Anker in einem fliegenden Tourbillon einseitig gelagert ist.“  

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Konventionell gelagertes Tourbillon vom Feinsten aus dem Hause Montblanc (im Uhren-Premium-Center vertreten)

"Fliegendes" Tourbillon à Régulateur von Chronoswiss (im Uhren-Premium-Center vertreten), diese Uhr wird nicht mehr hergestellt.

Mit dem Kauf der 2006 gegründeten Profusion SA erwarb Hublot 2011 jede Menge Knowhow auf dem Gebiet der Faserverbundwerkstoffe. Karbonfasern sind auch der High-Tech-Welt bekanntlich nicht mehr wegzudenken. Man findet sie in Autos, Flugzeugen und natürlich auch in Uhren. Profusion-Gründer Jean-Pierre Kohler und seine Mitstreiter beherrschen den keineswegs leichten, weil ungemein werkzeugzehrenden Umgang mit Karbon-Komponenten bis ins letzte Detail.

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Feritungszentrum zur Bearbeitung von Karbon-Komponenten bei der Hublot-Tochter Profusion

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Hartmetall-Fräser zur Bearbeitung von Karbon-Komponenten

Nach nur zehn Teilen sind die Hartmetallfräser unbrauchbar. Außerdem lässt circa 15 Prozent der Produktion wegen der hohen Hublot-Qualitätsansprüche nicht für Uhrenschalen verwenden.

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Karbon-Komponenten. hergestellt von der Hublot-Tochter Profusion SA

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Big-Bang-Gehäuse mit Karbonfaser-Lünette

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Hublot Big Bang Ferrari Ceramic Carbon

Dieser Sachverhalt erklärt auch den hohen Preis von Uhren mit Karbon-Teilen.

Ökologie wird groß geschrieben bei einem Werkstoff, der Karbonfasern ähnelt und bei Hublot schon während der Baselworld 2013 debütieren sollte. Matthias Buttet,

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Hublot-Entwicklungschef Matthias Buttet

der in der Manufaktur für dieses Projekt verantwortlich zeichnet, gab sich bei meinem Besuch im Dezember 2013 auch völlig überzeugt, alles beizeiten in die Pipeline zu bekommen. image

Das präsentierte mir Matthias Buttet im Dezember 2013

Aber dann zeigte sich, dass der Teufel auch hier einmal mehr im Detail steckt.

Bei Leinen, um das es hier geht, sind Natur, Ökologie, Nachhaltigkeit und Swissness echte Themenstellungen. Ausgangsmaterial ist Bio-Flachs aus dem Schweizerischen Emmental. Nach dem Brechen der dürren Stängel sowie der Reinigung  von Faserresten stehen Bündel feiner Fäden zur Verfügung, welche auf traditionellen Spinnrädern gesponnen, dann gehaspelt und schließlich zu grauem Naturleinen gewebt werden. Bekanntlich lässt sich der Stoff lässt nach Belieben einfärben. Mit transparentem Harz kann der sorgfältig von Hand gelegte Stoff zu dünnen Platten verarbeitet werden, deren Festigkeit jenen aus Karbonfasern kaum nachsteht. In der Fahrzeugindustrie sind naturfaserverstärkte Kunststoffe, die zu den Biokompositen zählen, längst eine feste Größenordnung.

In diesem Sinne verkörperte Leinen für Hublot, ständig auf der Suche nach Innovationen, einen besonderen Reiz. Durch die Möglichkeit ganz unterschiedlicher Farbgebung, beispielsweise echtes Purpur,

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Biokomposit-Leinen ganz unterschiedlich gefärbt

oder die Einarbeitung von Goldfäden image

Mit den ins Leinen eingelegten Goldfäden könnte sich vermurmutlich auch der Name der Besitzerin oder des Besitzers einer Hublt darstellen lassen

und auch Blattgold-Stücken, ist größtmögliche Individualität gewährleistet. Der farbenfrohe Bio-Werkstoff mit einzigartigen Strukturen dürfte vor allem das weibliche Geschlecht beeindrucken, oder Zeitgenössen mit einem Faible für Trachten, oder Menschen, denen Ökologie und Nachhaltigkeit am Herzen liegen, oder …

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Die eingearbeiteten Blattgold-Stücke sind deutlich zu erkennenimage

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Leinenfarbe: purpur

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Purpur und Blattgold

Das Spektrum ist riesig, wie ich Ende August in Nyon erleben durfte. Bilder wie die hier publizierten gab es bislang noch nicht zu sehen. Aber ich möchte auch betonen, dass sich alles noch im Versuchs- oder Prototypen-Stadium befindet. Fertige Gehäuse gibt es noch kein einziges. Aber die Fotos liefern dennoch einen kleinen Eindruck von dem, was Hublot so oder letzten Endes vielleicht doch ganz anders möglicher Weise zur Baselworld 2015 präsentieren wird.

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Der Titan-Body eines Hublot Big-Gang-Gehäuse und die Garnitur mit Leinen-Biokomposit;

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Es bleibt spannend.

Mehr zur Materialforschung bei Hublot und dem permanenten Streben nach Werkstoff-Innovation wird sich im GQ Uhrenspecial 2014 finden, das am 9. Oktober in den Zeitschriftenkiosken liegen wird.

Diese Nachricht, welche mich schon in der Vergangenen Woche erreichte, erfüllt Peter C. Stas, seines Zeichens CEO des Genfer Familienunternehmens Frédérique Constant zu Recht mit Stolz. Aus bescheidenen Anfängen im Jahr 1988 hat er eine prosperierende Manufaktur mit inzwischen 15 eigenen Mechanik-Kalibern entwickelt, die auf das beste geschäftliche Halbjahr in der Firmengeschichte verweisen kann. image

Mit dem Handaufzugskaliber FC-910 startete Frédérique Constant 2004 die eigene Manufaktur

Gegenüber 2013 legte die Gruppe, zu der u.a. auch Alpina gehört, um 26 Prozent zu. Das Wachstum belegt, dass die Philosophie des “erschwinglichen Luxus“ im Preisspektrum zwischen 1.000 und 5.000 US-Dollar (700 – 3.500 Euro) ankommt. image

Peter C. Stas 2013 bei der Präsentation des Buchs “Live Your Passion” in Japan

Zu den besonders erfolgreichen Märkten gehören als Nummer 1 die USA, dann folgen die Schweiz, Russland, Hongkong und China. Zu den besonders erfreulichen Wachstumsmärkten 2014 gehören Japan, Südkorea, Australien und Kanada. Wenn Peter auf die vergangenen 25 Jahre zurückblickt, kann er ein jährliches Wachstum von 15 bis 25 Prozent konstatieren. Inzwischen fertigt und verkauft das Unternehmen jährlich mehr als 125.000 Uhren, wobei sich in den meisten weiterhin zugekaufte Uhrwerke finden.

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Erfolgsmodell: Die Slimline Moonphase mit dem Manufaktur-Automatikkaliber FC 705 (Preis ca. 2.700 Euro)

Von den eigenen Kalibern entstehen per annum rund 25.000 Exemplare. Ziel sind vorerst einmal 30.000. Wer Peter Stas ein wenig kennt, wird am Erreichen dieser Vorgabe nicht den geringsten Zweifel hegen.

„Seitdem ich im Uhrenbusiness, also bei Jaeger-LeCoultre, A. Lange & Söhne und jetzt bei Montblanc Verantwortung trage, aber ich rund 800 Uhrenmodelle zur Welt gebracht. Die meisten davon adressierten sich an Herren. Aber die Damenuhren stellten stets eine ganz besondere Herausforderung dar.“ Das erklärte mir Jérôme Lambert, der aktuelle Montblanc-CEO während eines Interviews beim Lancement der femininen Bohème-Linie am 28. August 2014 in Schanghai.

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Montblanc-CEO Jérôme Lambert

„Bei der Kreation von Damenuhren besitzen Eleganz und Raffinesse einen ganz besonderen Stellenwert. Vor allem dann, wenn einem, wie von uns intendiert, nur 30 Millimeter Durchmesser zur Verfügung stehen. Da kommst es wirklich auf kleinste, vordergründig unscheinbare Details an.“ Auf die Frage, ob Jérôme und sein Team Anleihen bei bestehenden Montblanc-Uhrenlinien genommen haben, kam das Gespräch sehr schnell auf die 1997 vorgestellte Star-Kollektion.

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Montblanc Star mit doppelter Mondphasenanzeige (2014)

„Zur Bewahrung der Identität und des Wiedererkennungswerts haben wir uns natürlich im eigenen Haus umgesehen. Beispielsweise war die Lünette hier immer rund. Und das haben wir bei der Bohème natürlich aufgegriffen. Bei den Stundenziffern wollten wir aber bewusst eine modifizierte Typographie. Mit unseren Vorstellungen haben wir die für uns zuständigen Mitarbeiter vom Metalem, dem Zifferblattfabrikanten fast zur Weißglut gebracht. Bis zur endgültigen Version mussten etwa dreißig verschiedene Entwürfe umgesetzt werden.“ Dazu kam das guillochierte Zifferblatt-Zentrum.

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Montblanc Bohème in Rotgold mit Diamant-Lünette, 8.500 Euro

Als komplexe Zusatzfunktion kam für Jérôme Lambert in erster Linie das hilfreiche, und der Optik des Ganzen besonders zuträgliche ewige Kalendarium in Betracht, welches auch im „Meisterstück Heritage Perpetual Calendar“ zu finden ist. Vom Schaltwerk hat Montblanc in weiser Voraussicht bei Dubois-Dépraz reichlich Exemplare bestellt. image

Komplexe Unterzifferblatt-Mechanik des ewigen Kalenders in der Bohème Perpetual Calendar Jewellery und natürlich auch im Meisterstück Heritage Perpetual Calendar

Wegen den Kapazitätsgrenzen beim traditionsreichen Spezialisten im abgeschiedenen Vallée de Joux, der diesbezüglich vorerst ausverkauft ist, reichen die verfügbaren Quantitäten, wie mir Jérôme Lambert mit einem lachenden und einem weinenden Auge erklärte, aber nicht aus, um das goldene Flaggschiff „Bohème Perpetual Calendar Jewellery“ image

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Montblanc Bohème Perpetual Calendar Jewellery, 19.900 Euro in Rotgold mit Brillantlünette

auch in einer stählernen Version anbieten zu können. Ladies mit einem Faible für das weiße Material müssen deshalb nolens volens auf die drei Millimeter größere Heritage-Alternative ausweichen.image

Montblanc Heritage Perpetual Calendar in Edelstahl, 10.000 Euro

Aber was nicht ist, kann mit Sicherheit noch werden. Frauen, und natürlich Männer, die sich mit dem Gedanken tragen, der Dame des Herzens eine Bohème als Geschenk zu überreichen, sollten beim Zifferblatt sehr genau hinschauen. Das guillochierte Zentrum besitzt bei der Version mit ewigem Kalender 60 image

Guilloche mit 60 Strahlen beim ewigen Kalender

und bei der Ausführung mit Fensterdatum 90 Strahlen. image

Guilloche mit 90 Strahlen bei den Datums-Modellen

Die Strahlen sind zudem noch unterschiedlich gestaltet. Besagte Sorgfalt bei der Zifferblattgestaltung kommt übrigens nicht von ungefähr. Die Scheibe, vor der die ebenfalls an sie „Star“ erinnernden Zeiger drehen, trägt nach Auffassung maßgeblicher Designer immerhin bis zu 80 Prozent zum Gesamteindruck einer Uhr bei. Dieser Sachverhalt rechtfertigt allerdings nicht, die Optik des Gehäuses in irgendeiner Weise zu vernachlässigen. Welchen gestalterischen Aufwand Montblanc auch hier, also beim Korpus und den immens wichtigen Bandanstößen betrieben hat, können Frau und Mann nur bei einer differenzierten Betrachtung des Ganzen erleben.

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Einstieg in die Bohème Kollektion mit Automatikwerk und Fensterdatum: 2.350 Euro für die Version mit 8 Diamanten am Zifferblatt

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Gerade Gehäuseflanken bei der 30-Millimeter-Bohème mit Automatikwerk und Datumsanzeige

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Montblanc Bohème mit dem Automatikkaliber Eta 2671, von Montblanc 24.14 getauft

Als ich Jérôme darauf aufmerksam machte, dass sich die Schalen für die Datumsuhren und das Kalendermodell unterscheiden, konstatierte er lächelnd, dass das bis dahin noch niemand aufgefallen sei, die gestalterischen Unterschiede jedoch ganz bewusst angestrebt wurden. „Es macht durchaus Unterschiede, um man Uhren mit 30 oder 36 Millimeter Durchmesser gestaltet. Hätten wir das Gehäuse des Quantième Pérpetuelle kleiner gemacht, wäre am Handgelenk Präsenz verloren gegangen. Deshalb gibt es bombierte Gehäuseflanken und die dazu passenden Bandanstöße eben nur beim ewigen Kalender.“ image

Bombierte Gehäuseflanlen bei der Bohème mit ewigem Kalender, dazu anders geformte Bandanstöße

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Montblanc Bohème Perpetual Calendar Jewellery: Gehäuseflanken und Rückseite mit dem Automatikkaliber Sellita SW300

Apropos Armband: Hier hat die Kalender-Bohème der kleineren Schwester (noch) ein wesentliches Merkmal voraus. Wer die Befestigung betrachtet, wird schnell besondere Federstege erkennen, die auch Frau von Welt einen schnellen, unkomplizierten Bandwechsel ohne abgebrochene Fingernägel gestatten. image

Montblanc Bohème Perpetual Calendar Jewellery: Bandwechsel leicht gemacht 

Ob Montblanc dieses Prachtstück gleich mit einem zweiten Armband liefern werde, wollte ich in diesem Zusammenhang von Jérôme wissen. Der quittierte meine Frage mit einem schallenden Lachen. „Angesichts dieses Preises, aufgerufen sind 19.900 Euro, gab die Kalkulation definitiv kein zweites Armband mehr her.“

Erstmals überhaupt liefert Montblanc die Bohème auch mit einem zweifarbigen Armband. 

Zwei Farben meint in diesem Zusammenhang eine Farbe für den Teil mit der Schnalle image

und eine andere für jenes mit den Löchern.

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Diese Form des farbenfrohen Auftritts weckte bei den anwesenden Journalistinnen zustimmende Aufmerksamkeit. Nun bleibt es abzuwarten, wann andere Uhrenmarken auf diesen Zug aufspringen.

Jérôme zeigte mit bei der individuellen Produktpräsentation auch noch den in die Krone integrierten Diamanten. „Einen größeren wirst du bei keinem Modell mit 36 Millimetern Durchmesser finden.“

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Großer Kronen-Brillant im typischen Montblanc-Schliff

Über den Erfolg des weiblichen Newcomers muss sich Montblanc ganz offensichtlich keine Gedanken machen. Schon im Juli 2014 langen erste Modelle ohne Aufsehen und Tamtam in den Vitrinen der Hongkong-Markenboutiquen. „Der Verkauf  übertraf unsere kühnsten Erwartungen. Von vier gelieferten Uhren war nach nur einem Tag keine einzige mehr da. So gesehen handelt es sich bei der Bohème es sich um den schnellsten und besten Spontan-Sellout, den ich in meiner Karriere erlebt habe.“ Frauen, die keine knapp 20.000 Euro für eine Bohème ausgeben können, trotzdem aber klassische Mechanik mit Selbstaufzug wünschen, können ihren Hedonismus ab 2.350 Euro erfüllen.

Dafür gibt es die Bohème mit acht Diamanten am Zifferblatt und einem bemerkenswerten Datumsfenster. Selbiges findet sich in Navetteform bei der „6“. Das intelligente Spitzoval gewährleistet trotz des geringen Durchmessers des Automatikkalibers Eta 2671 (17,2 Millimeter) eine erstaunlich gute Ablesbarkeit. 

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Erstaunlich gut ablesbar: das Datum im spitzovalen Fenster der Montblanc Bohème

Zu meinen persönlichen Favoriten gehört übrigens die „Bohème Bleue“ mit Diamantlünette.

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Montblanc Bohème Bleue, 4.090 Euro

Der augenfällige Edelstahl-Zeitmesser ist für 4.090 Euro käuflich zu erwerben, während die Variante mit ziviler Farbgebung 100 Euro günstiger zu haben ist. Für Massivgold mit Brillantlünette muss Frau oder ihr Gönner 8.500 Euro auf den Tisch des Juweliers blättern.  On the top gibt es eine Bohème mit Brillantlünette und steinbesetztem Zifferblatt-Zentrum. Diese Uhr schlägt mit 12.900 Euro zu Buche.

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Das Top-Modell der Bohème-Kollektion mit Automatikwerk und Datumsanzeige kostet 12.900 Euro

Es geht übriges noch günstiger, wenn statt des Automatikwerks ein Quarz-Kaliber die Zeit anzeigen kann. Das jedenfalls erläuterte mir Alexander Schmied, der bei Montblanc als „Managing Director Watches“ die Verantwortung für den Bereich Uhren und damit rund 100.000 Zeitmesser per annum trägt.

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Alexander Schmied, Managing Director Uhren bei Montblanc

Die nur 27 Millimeter große Bohème Quarz ist bereits zu Preisen ab 1.450 Euro zu haben. Und den passenden Bohème-Schmuck im Preisspektrum zwischen 500 und 5.000 Euro offeriert Montblanc ebenfalls. Getrieben durch Jérôme Lambert besitzt Alexander ganz klare Zielperspektiven: „Wir wollen jedes Jahr bei den Uhren zweistellig wachsen und Leader im Preisbereich Bereich zwischen 2.000 und 5.000 Euro werden.“ Dazu wird es irgendwann, vielleicht schon im Januar 2015 zum Genfer Uhrensalon SIHH spezielle und vor allem sinnvolle Zusatzfunktionen fürs zarte Geschlecht geben Diesbezüglich darf man gespannt sein.

Von Jens-Henning Koch, image

Montblanc Marketing- und Kommunikationschef Jens-Henning Koch

der als Marketing- und Vertriebschef von A. Lange & Söhne zu Montblanc gewechselt ist, begehrte ich zu wissen, warum eine deutsche Marke diese Uhrenliniere ausgerechnet in Schanghai und damit weit weg von der Heimat vorstellt. Eine klärende Antwort folgte wie aus der Pistole geschossen: „Montblanc ist hier eine bestens eingeführte und hoch geschätzte Marke mit hohem traditionellen Wert. Dazu gibt es mehr und mehr Chinesinnen, die aus eigener Kraft ein Millionenvermögen erwirtschaftet haben. Da liegen wir beispielsweise mit unserem ewigen Kalender, und es gibt bekanntlich unter allen Uhrenmarken weltweit nur zwei, die Frauen eine derartige Komplikation offerieren, goldrichtig. Und als Geschenke sind unsere Bohème Zeitmesser hier ebenfalls bestens geeignet.“       

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Passend zu den Uhren: der Montblanc Bohème Schmuck

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Bohème Füllfederhalter gibt es natürlich auch

Daher hatte Asien bei den Erstlieferungen der Bohème eine gewisse Priorität. Europäische Fachhändler können das Produkt irgendwann im September präsentieren. In seinen Augen besteht kein Zweifel daran, dass Frauen tickender Mechanik mehr und mehr zugetan sind. Obwohl stärker als die Männer modisch geprägt, können sie der Langlebigkeit und dem Faktum, dass derartige Uhren auch in Jahrzehnten noch reparierbar sind, viel abgewinnen.

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In Shanghai dabei: der Actor Chris Hemsworth und die chinesische Schauspielerin Gwai Lun Mei, links der Moderator und rechts Jérôme Lambert

Als ich Jérôme löcherte, was denn die Herren der Schöpfung Anfang 2015 von Montblanc erwarten dürfen, schmunzelte er wissend. Verraten wollte er jedoch nur so viel: „30 bis 40 Prozent der Neuigkeiten 2015 werden ein eigenes Werk oder mit Blick auf den Preis zumindest spezifische Montblanc-Module auf bewährten, aber zugekauften Kalibern besitzen.“ Ergo bleibt es auch hier spannend.  Auf jeden Fall werde ich hier so schnell wie möglich über diese Neuigkeiten berichten.

Chronoswiss ist nun definitiv angekommen. Und zwar in Luzern. Dort war ich am 21. August zu Gast, um die Eröffnung des noblen „House of Chronoswiss“

Das House of Chronoswiss in Luzern: Links die Ateliers, rechts die Administration

zusammen mit einigen Kolleginnen und Kollegen, Marken-Konzessionären, Offiziellen wie dem Luzerner Stadtpräsidenten Stefan Roth und Jean-Daniel Pasche von der eidgenössischen Fédération Horlogère (FH), Freunden des Hauses Chronoswiss und natürlich der beiden Eigentümer Eva Maria und Oliver Ebstein. Hierzu zählt der Entertainer und ausgewiesene Uhrensammler Thomas Gottschalk, welcher übrigens nicht nur eine Armbanduhr dieser Marke besitzt.

Beim Durchschneiden des Bandes: v.l.n.r. Thomas Gottschalk, Stadtpräsident Thomas Roth, Eva Maria Ebstein und Oliver Ebstein

In den neuen Räumlichkeiten gehen tradierte uhrmacherische und handwerkliche Werte sowie modernste Technik Hand in Hand. Ersteres können während der üblichen Geschäftszeiten stets willkommene Besucherinnen und Besucher in den großzügig verglasten Ateliers hautnah erleben.

Blick ins großzügige verglaste Uhren-Atelier

Der Kunsthandwerker Maik Panziera in seinem Element

Bändigung einer Diva - manuelles Guillochieren bei Chronoswiss

Wer sich über die Werte der Marke, deren Geschichte im Besonderen und uhrmacherische Aspekte ganz allgemein informieren möchte, kann dies mit Hilfe modernster Elektronik eindrucksvoll tun. Beispielsweise vermittelt ein Touchscreen-Historama Wissenswertes rund um Zeit und Uhr. Natürlich gibt es auch Uhren zu sehen. Solche aus der aktuellen Kollektion

Uhren aus der aktuellen Chronoswiss-Kollektion

Chronoswiss-Showroom mit Beratungs- und Verkaufstisch

und Exemplare aus den Jahren seit der Firmengründung in München.

"Historische" Chronoswiss-Armbanduhren

Gegenwärtig stehen bei Chronoswiss 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Gehaltsliste. Sie alle kümmern sich gewerblich oder administrativ um per annum rund 5.000 Uhren für feminine und maskuline Handgelenke.

Chef-Büro bei Chronoswiss in Luzern

Natürlich gibt es zur Eröffnung des neuen Domizils in der sehr zentral gelegenen Luzerner Löwenstraße auch ein Serie limitierter Armbanduhren. Wie sich am Zifferblatt unübersehbar zeigt, hat Chronoswiss zum Start in die neue Ära gleich mal die Löwen losgelassen.

Als Hommage an die malerisch gelegene Stadt am Vierwaldstätter See lanciert Chronoswiss die „Sirius Lion Edition“ mit dem Automatikkaliber Eta 2892-A2. In Rotgold beschränkt sich die Edition auf 30 Exemplare,

Sirius Lion Edition in Rotgold und Stahl

von der Stahlversion sind 100 Stück erhältlich. Am Zifferblatt sind außer dem König der Tiere bei der „4“ in rot die Hausnummer 16a an der Löwenstraße und im Zentrum die Nummer der Limitierung verewigt. Die bis drei bar wasserdichten Gehäuse mit einseitig entspiegeltem Saphirglas und Sichtboden messen 40 Millimeter.

Ganz nach dem Motto „geteilte Freude ist doppelte Freude“ präsentierten die Ebsteins und Thomas Gottschalk am Abend in Luzerner Verkehrshaus (ein Museum) auch ein neues Charity-Unikat, das ab Mitte Oktober vom Genfer Auktionshaus Antiquorum (www.antiquorum.com) online versteigert wird.

Ankündigung einer Wohltätigkeits-Auktion bei Antiquorum

Mit dem Erlös aus dem Verkauf der „Sirius Lion Heart“ möchte Chronoswiss einige Herzenswünsche schwerkranker Kinder zu erfüllen. Und zwar zusammen mit der gemeinnützigen schweizerischen Organisation „Make-A-Wish“.

Dieses karitative Engagement besitzt bei Chronoswiss übrigens schon eine beachtliche Tradition. Beispielsweise erfuhren die World Childhood Foundation unter Schirmherrschaft der schwedischen Königin Silvia oder die Initiative Horizont e.V. der Schauspielerin Jutta Speidel entsprechende Unterstützung. Und im Herbst 2013 erlöste ein speziell gefertigtes Chronoswiss Unikat bei der Charity-Auktion „Only Watch“ Auktion im rund 50.000 Schweizerfranken.

Auch beim aktuellen „Make-A-Wish“-Modell mit handguillochiertem und in Cloisonné-Emailtechnik veredeltem Weißgold-Zifferblatt zeigt Chronoswiss Handwerkskust auf höchstem Niveau. In Anlehnung an das Luzerner Wahrzeichen, welches sich nahe des House of Chronoswiss befindet und als Namenspate der Löwenstraße diente, präsentiert das Zifferblatt des Unikats einen majestätischen Löwen mit Schweizer Flagge.

Sehenswert ist auch der „Rücken“ des Löwen: Saphirglas gestattet tiefe Blicke ins tickende Herz dieses Zeitmessers. Dabei handelt es sich um ein filigran skelettiertes Handaufzugskaliber Eta 6498 mit floralen Details und handguillochierten Elementen.

Ob Thomas Gottschalk ab Mitte Oktober mitbieten wird, mochte er mir beim Apertitiv unter der majestätisch auf drei massiven Säulen thronenden „Coronado“ nicht erzählen. Auszuschließen ist es freilich nicht.

Aperitiv unter der alten Swissair Coronado

Als mir später Martin Bütikofer, der Direktor des Luzerner Verkehrshauses die Hecktür der Convair CV 999 „Coronado“ aufsperrte, wurden lange zurückliegende Flugerinnerungen wach.

Business- und Holzklasse in der Coronado

Raucher-Lounge in der Coronado

Mit dem damals schnellsten Verkehrsflugzeug der Welt, welches beinahe 1.000 Stundenkilometer schaffte, düste ich Anfang der 1970-er Jahre von Zürich nach Lima und zurück.

Im vier -Mann-Cockpit der Swaissair Coronado saßen der Pilot, Copilot, Bordtechniker und Navigator

Weil der Jet extrem durstig war, mussten wir auf dem Rückflug gleich zwei Mal zwischenlanden. Einmal in Guadeloupe und dann nach der Überquerung des Atlantik nochmals in Lissabon. Ihr gewaltiger Durst brachte 1975 schließlich auch das Aus für die Coronado. Aber die Concorde konsumierte später bekanntlich noch mehr Kerosin.

Für Furore in Luzern sorgte an eben jenem 21. August auch das Bekanntwerden der Tatsache, dass insgesamt sieben von neun Marken der Swatch Group dem traditionsreichen Luzerner Fachhändler Gübelin

Gübelin am Schwanenplatz in Luzern

mit mehreren Filialen in der Schweiz zum 31.12.2014 die Konzession kündigten. Verloren gehen Gübelin die Marken Breguet, Blancpain, Omega, Longines, Rado, Mido und Tissot.

Ab 1. Januar 2014 Vergangenheit: der Breguet Corner bei Gübelin in Luzern

Dass es sich um eine konzertierte, weil von oben angeordnete Aktion handelte, wies die Swatch Group in diesem Zusammenhang vehement zurück. Alle Marken hätten völlig autonom entschieden. Auch Raphael Gübelin, aktueller Chef des 160 Jahre alten, in langer Tradition mit der Swatch Group verbundenen Familienunternehmens gab sich im Gespräch betont zugeknöpft. Vielleicht möchte er die Türen auf jeden Fall weiterhin offen halten. Sicher ist jedoch, dass Gübelin in Zukunft große Anstrengungen unternehmen muss, um den massiven Umsatzrückgang aufzufangen. Zahlen werden auch hier traditionsgemäß nicht publiziert. Mein Kollege Markus Köchli von der Schweizer Handelszeitung schätzt den Jahresumsatz von Gübelin auf etwa 250 Millionen Schweizerfranken. Davon dürften seiner Meinung nach etwa 70 Millionen auf besagte sieben Swatch-Group-Marken entfallen sein. Ob dieser gewaltige Aderlass Entlassungen zur Folge haben wird, bleibt abzuwarten. Über die Alternativen der Swatch Group wurde in Luzern nur gemunkelt. Vielleicht, war da und dort zu hören, wolle der Bieler Uhren-Multi den Vertrieb am attraktiven Standort bis zum Endkunden selbst in die Hände nehmen. Angeblich habe man sich beim Stadtpräsidenten nach frei werdenden Ladenflächen erkundigt. Immerhin werden in keiner anderen Stadt der Schweiz ähnlich viele Uhren verkauft. Der größte Teil davon geht an Touristen, die täglich aus aller Herren Länder, zum großen Teil aus China, mit Bussen nach Luzern gebracht werden. Als Trostpflaster bleiben Gübelin cK aus dem Swatch-Group-Portfolio cK und Glashütte Original. Und Chronoswiss hält die Partnerschaft selbstverständlich ebenfalls aufrecht.

 

Bei Gübelin weiterhin erhältlich: Uhren aus der aktuellen Chronoswiss-Kollektion