GQ-Kolumnisten
Gisbert L. Brunner

"Zeit für Gisbert" - Niemand hat den Uhrenboom so hautnah miterlebt wie Gisbert L. Brunner, niemand kennt sich besser aus mit stilvollen Zeitmessern. Er schreibt über die Technik, die Branche und die Macher hinter den Uhren.

„Seitdem ich im Uhrenbusiness, also bei Jaeger-LeCoultre, A. Lange & Söhne und jetzt bei Montblanc Verantwortung trage, aber ich rund 800 Uhrenmodelle zur Welt gebracht. Die meisten davon adressierten sich an Herren. Aber die Damenuhren stellten stets eine ganz besondere Herausforderung dar.“ Das erklärte mir Jérôme Lambert, der aktuelle Montblanc-CEO während eines Interviews beim Lancement der femininen Bohème-Linie am 28. August 2014 in Schanghai.

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Montblanc-CEO Jérôme Lambert

„Bei der Kreation von Damenuhren besitzen Eleganz und Raffinesse einen ganz besonderen Stellenwert. Vor allem dann, wenn einem, wie von uns intendiert, nur 30 Millimeter Durchmesser zur Verfügung stehen. Da kommst es wirklich auf kleinste, vordergründig unscheinbare Details an.“ Auf die Frage, ob Jérôme und sein Team Anleihen bei bestehenden Montblanc-Uhrenlinien genommen haben, kam das Gespräch sehr schnell auf die 1997 vorgestellte Star-Kollektion.

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Montblanc Star mit doppelter Mondphasenanzeige (2014)

„Zur Bewahrung der Identität und des Wiedererkennungswerts haben wir uns natürlich im eigenen Haus umgesehen. Beispielsweise war die Lünette hier immer rund. Und das haben wir bei der Bohème natürlich aufgegriffen. Bei den Stundenziffern wollten wir aber bewusst eine modifizierte Typographie. Mit unseren Vorstellungen haben wir die für uns zuständigen Mitarbeiter vom Metalem, dem Zifferblattfabrikanten fast zur Weißglut gebracht. Bis zur endgültigen Version mussten etwa dreißig verschiedene Entwürfe umgesetzt werden.“ Dazu kam das guillochierte Zifferblatt-Zentrum.

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Montblanc Böhème in Rotgold mit Diamant-Lünette, 8.500 Euro

Als komplexe Zusatzfunktion kam für Jérôme Lambert in erster Linie das hilfreiche, und der Optik des Ganzen besonders zuträgliche ewige Kalendarium in Betracht, welches auch im „Meisterstück Heritage Perpetual Calendar“ zu finden ist. Vom Schaltwerk hat Montblanc in weiser Voraussicht bei Dubois-Dépraz reichlich Exemplare bestellt. image

Komplexe Unterzifferblatt-Mechanik des ewigen Kalenders in der Bohème Perpetual Calendar Jewellery und natürlich auch im Meisterstück Heritage Perpetual Calendar

Wegen den Kapazitätsgrenzen beim traditionsreichen Spezialisten im abgeschiedenen Vallée de Joux, der diesbezüglich vorerst ausverkauft ist, reichen die verfügbaren Quantitäten, wie mir Jérôme Lambert mit einem lachenden und einem weinenden Auge erklärte, aber nicht aus, um das goldene Flaggschiff „Bohème Perpetual Calendar Jewellery“ image

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Montblanc Bohème Perpetual Calendar Jewellery, 19.900 Euro in Rotgold mit Brillantlünette

auch in einer stählernen Version anbieten zu können. Ladies mit einem Faible für das weiße Material müssen deshalb nolens volens auf die drei Millimeter größere Heritage-Alternative ausweichen.image

Montblanc Heritage Perpetial Calendar in Edelstahl, 10.000 Euro

Aber was nicht ist, kann mit Sicherheit noch werden. Frauen, und natürlich Männer, die sich mit dem Gedanken tragen, der Dame des Herzens eine Bohème als Geschenk zu überreichen, sollten beim Zifferblatt sehr genau hinschauen. Das guillochierte Zentrum besitzt bei der Version mit ewigem Kalender 60 image

Guilloche mit 60 Strahlen beim ewigen Kalender

und bei der Ausführung mit Fensterdatum 90 Strahlen. image

Guilloche mit 90 Strahlen bei den Datums-Modellen

Die Strahlen sind zudem noch unterschiedlich gestaltet. Besagte Sorgfalt bei der Zifferblattgestaltung kommt übrigens nicht von ungefähr. Die Scheibe, vor der die ebenfalls an sie „Star“ erinnernden Zeiger drehen, trägt nach Auffassung maßgeblicher Designer immerhin bis zu 80 Prozent zum Gesamteindruck einer Uhr bei. Dieser Sachverhalt rechtfertigt allerdings nicht, die Optik des Gehäuses in irgendeiner Weise zu vernachlässigen. Welchen gestalterischen Aufwand Montblanc auch hier, also beim Korpus und den immens wichtigen Bandanstößen betrieben hat, können Frau und Mann nur bei einer differenzierten Betrachtung des Ganzen erleben.

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Einstieg in die Bohème Kollektion mit Automatikwerk und Fensterdatum: 2.350 Euro für die Version mit 8 Diamanten am Zifferblatt

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Gerade Gehäuseflanken bei der 30-Millimeter-Bohème mit Automatikwerk und Datumsanzeige

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Montblanc Bohème mit dem Automatikkaliber Eta 2671, von Montblanc 24.14 getauft

Als ich Jérôme darauf aufmerksam machte, dass sich die Schalen für die Datumsuhren und das Kalendermodell unterscheiden, konstatierte er lächelnd, dass das bis dahin noch niemand aufgefallen sei, die gestalterischen Unterschiede jedoch ganz bewusst angestrebt wurden. „Es macht durchaus Unterschiede, um man Uhren mit 30 oder 36 Millimeter Durchmesser gestaltet. Hätten wir das Gehäuse des Quantième Pérpetuelle kleiner gemacht, wäre am Handgelenk Präsenz verloren gegangen. Deshalb gibt es bombierte Gehäuseflanken und die dazu passenden Bandanstöße eben nur beim ewigen Kalender.“ image

Bombierte Gehäuseflanlen bei der Bohème mit ewigem Kalender, dazu anders geformte Bandanstöße

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Montblanc Bohème Perpetual Calendar Jewellery: Gehäuseflanken und Rückseite mit dem Automatikkaliber Sellita SW300

Apropos Armband: Hier hat die Kalender-Bohème der kleineren Schwester (noch) ein wesentliches Merkmal voraus. Wer die Befestigung betrachtet, wird schnell besondere Federstege erkennen, die auch Frau von Welt einen schnellen, unkomplizierten Bandwechsel ohne abgebrochene Fingernägel gestatten. image

Montblanc Bohème Perpetual Calendar Jewellery: Bandwechsel leicht gemacht 

Ob Montblanc dieses Prachtstück gleich mit einem zweiten Armband liefern werde, wollte ich in diesem Zusammenhang von Jérôme wissen. Der quittierte meine Frage mit einem schallenden Lachen. „Angesichts dieses Preises, aufgerufen sind 19.900 Euro, gab die Kalkulation definitiv kein zweites Armband mehr her.“

Erstmals überhaupt liefert Montblanc die Bohème auch mit einem zweifarbigen Armband. 

Zwei Farben meint in diesem Zusammenhang eine Farbe für den Teil mit der Schnalle image

und eine andere für jenes mit den Löchern.

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Diese Form des farbenfrohen Auftritts weckte bei den anwesenden Journalistinnen zustimmende Aufmerksamkeit. Nun bleibt es abzuwarten, wann andere Uhrenmarken auf diesen Zug aufspringen.

Jérôme zeigte mit bei der individuellen Produktpräsentation auch noch den in die Krone integrierten Diamanten. „Einen größeren wirst du bei keinem Modell mit 36 Millimetern Durchmesser finden.“

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Großer Kronen-Brillant im typischen Montblanc-Schliff

Über den Erfolg des weiblichen Newcomers muss sich Montblanc ganz offensichtlich keine Gedanken machen. Schon im Juli 2014 langen erste Modelle ohne Aufsehen und Tamtam in den Vitrinen der Hongkong-Markenboutiquen. „Der Verkauf  übertraf unsere kühnsten Erwartungen. Von vier gelieferten Uhren war nach nur einem Tag keine einzige mehr da. So gesehen handelt es sich bei der Bohème es sich um den schnellsten und besten Spontan-Sellout, den ich in meiner Karriere erlebt habe.“ Frauen, die keine knapp 20.000 Euro für eine Bohème ausgeben können, trotzdem aber klassische Mechanik mit Selbstaufzug wünschen, können ihren Hedonismus ab 2.350 Euro erfüllen.

Dafür gibt es die Bohème mit acht Diamanten am Zifferblatt und einem bemerkenswerten Datumsfenster. Selbiges findet sich in Navetteform bei der „6“. Das intelligente Spitzoval gewährleistet trotz des geringen Durchmessers des Automatikkalibers Eta 2671 (17,2 Millimeter) eine erstaunlich gute Ablesbarkeit. 

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Erstaunlich gut ablesbar: das Datum im spitzovalen Fenster der Montblanc Bohème

Zu meinen persönlichen Favoriten gehört übrigens die „Bohème Bleue“ mit Diamantlünette.

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Montblanc Bohème Bleue, 4.090 Euro

Der augenfällige Edelstahl-Zeitmesser ist für 4.090 Euro käuflich zu erwerben, während die Variante mit ziviler Farbgebung 100 Euro günstiger zu haben ist. Für Massivgold mit Brillantlünette muss Frau oder ihr Gönner 8.500 Euro auf den Tisch des Juweliers blättern.  On the top gibt es eine Bohème mit Brillantlünette und steinbesetztem Zifferblatt-Zentrum. Diese Uhr schlägt mit 12.900 Euro zu Buche.

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Das Top-Modell der Bohème-Kollektion mit Automatikwerk und Datumsanzeige kostet 12.900 Euro

Es geht übriges noch günstiger, wenn statt des Automatikwerks ein Quarz-Kaliber die Zeit anzeigen kann. Das jedenfalls erläuterte mir Alexander Schmied, der bei Montblanc als „Managing Director Watches“ die Verantwortung für den Bereich Uhren und damit rund 100.000 Zeitmesser per annum trägt.

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Alexander Schmied, Managing Director Uhren bei Montblanc

Die nur 27 Millimeter große Bohème Quarz ist bereits zu Preisen ab 1.450 Euro zu haben. Und den passenden Bohème-Schmuck im Preisspektrum zwischen 500 und 5.000 Euro offeriert Montblanc ebenfalls. Getrieben durch Jérôme Lambert besitzt Alexander ganz klare Zielperspektiven: „Wir wollen jedes Jahr bei den Uhren zweistellig wachsen und Leader im Preisbereich Bereich zwischen 2.000 und 5.000 Euro werden.“ Dazu wird es irgendwann, vielleicht schon im Januar 2015 zum Genfer Uhrensalon SIHH spezielle und vor allem sinnvolle Zusatzfunktionen fürs zarte Geschlecht geben Diesbezüglich darf man gespannt sein.

Von Jens-Henning Koch, image

Montblanc Marketing- und Kommunikationschef Jens-Henning Koch

der als Marketing- und Vertriebschef von A. Lange & Söhne zu Montblanc gewechselt ist, begehrte ich zu wissen, warum eine deutsche Marke diese Uhrenliniere ausgerechnet in Schanghai und damit weit weg von der Heimat vorstellt. Eine klärende Antwort folgte wie aus der Pistole geschossen: „Montblanc ist hier eine bestens eingeführte und hoch geschätzte Marke mit hohem traditionellen Wert. Dazu gibt es mehr und mehr Chinesinnen, die aus eigener Kraft ein Millionenvermögen erwirtschaftet haben. Da liegen wir beispielsweise mit unserem ewigen Kalender, und es gibt bekanntlich unter allen Uhrenmarken weltweit nur zwei, die Frauen eine derartige Komplikation offerieren, goldrichtig. Und als Geschenke sind unsere Bohème Zeitmesser hier ebenfalls bestens geeignet.“       

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Passend zu den Uhren: der Montblanc Bohème Schmuck

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Bohème Füllfederhalter gibt es natürlich auch

Daher hatte Asien bei den Erstlieferungen der Bohème eine gewisse Priorität. Europäische Fachhändler können das Produkt irgendwann im September präsentieren. In seinen Augen besteht kein Zweifel daran, dass Frauen tickender Mechanik mehr und mehr zugetan sind. Obwohl stärker als die Männer modisch geprägt, können sie der Langlebigkeit und dem Faktum, dass derartige Uhren auch in Jahrzehnten noch reparierbar sind, viel abgewinnen.

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In Shanghai dabei: der Actor Chris Hemsworth und die chinesische Schauspielerin Gwai Lun Mei, links der Moderator und rechts Jérôme Lambert

Als ich Jérôme löcherte, was denn die Herren der Schöpfung Anfang 2015 von Montblanc erwarten dürfen, schmunzelte er wissend. Verraten wollte er jedoch nur so viel: „30 bis 40 Prozent der Neuigkeiten 2015 werden ein eigenes Werk oder mit Blick auf den Preis zumindest spezifische Montblanc-Module auf bewährten, aber zugekauften Kalibern besitzen.“ Ergo bleibt es auch hier spannend.  Auf jeden Fall werde ich hier so schnell wie möglich über diese Neuigkeiten berichten.

Chronoswiss ist nun definitiv angekommen. Und zwar in Luzern. Dort war ich am 21. August zu Gast, um die Eröffnung des noblen „House of Chronoswiss“

Das House of Chronoswiss in Luzern: Links die Ateliers, rechts die Administration

zusammen mit einigen Kolleginnen und Kollegen, Marken-Konzessionären, Offiziellen wie dem Luzerner Stadtpräsidenten Stefan Roth und Jean-Daniel Pasche von der eidgenössischen Fédération Horlogère (FH), Freunden des Hauses Chronoswiss und natürlich der beiden Eigentümer Eva Maria und Oliver Ebstein. Hierzu zählt der Entertainer und ausgewiesene Uhrensammler Thomas Gottschalk, welcher übrigens nicht nur eine Armbanduhr dieser Marke besitzt.

Beim Durchschneiden des Bandes: v.l.n.r. Thomas Gottschalk, Stadtpräsident Thomas Roth, Eva Maria Ebstein und Oliver Ebstein

In den neuen Räumlichkeiten gehen tradierte uhrmacherische und handwerkliche Werte sowie modernste Technik Hand in Hand. Ersteres können während der üblichen Geschäftszeiten stets willkommene Besucherinnen und Besucher in den großzügig verglasten Ateliers hautnah erleben.

Blick ins großzügige verglaste Uhren-Atelier

Der Kunsthandwerker Maik Panziera in seinem Element

Bändigung einer Diva - manuelles Guillochieren bei Chronoswiss

Wer sich über die Werte der Marke, deren Geschichte im Besonderen und uhrmacherische Aspekte ganz allgemein informieren möchte, kann dies mit Hilfe modernster Elektronik eindrucksvoll tun. Beispielsweise vermittelt ein Touchscreen-Historama Wissenswertes rund um Zeit und Uhr. Natürlich gibt es auch Uhren zu sehen. Solche aus der aktuellen Kollektion

Uhren aus der aktuellen Chronoswiss-Kollektion

Chronoswiss-Showroom mit Beratungs- und Verkaufstisch

und Exemplare aus den Jahren seit der Firmengründung in München.

"Historische" Chronoswiss-Armbanduhren

Gegenwärtig stehen bei Chronoswiss 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Gehaltsliste. Sie alle kümmern sich gewerblich oder administrativ um per annum rund 5.000 Uhren für feminine und maskuline Handgelenke.

Chef-Büro bei Chronoswiss in Luzern

Natürlich gibt es zur Eröffnung des neuen Domizils in der sehr zentral gelegenen Luzerner Löwenstraße auch ein Serie limitierter Armbanduhren. Wie sich am Zifferblatt unübersehbar zeigt, hat Chronoswiss zum Start in die neue Ära gleich mal die Löwen losgelassen.

Als Hommage an die malerisch gelegene Stadt am Vierwaldstätter See lanciert Chronoswiss die „Sirius Lion Edition“ mit dem Automatikkaliber Eta 2892-A2. In Rotgold beschränkt sich die Edition auf 30 Exemplare,

Sirius Lion Edition in Rotgold und Stahl

von der Stahlversion sind 100 Stück erhältlich. Am Zifferblatt sind außer dem König der Tiere bei der „4“ in rot die Hausnummer 16a an der Löwenstraße und im Zentrum die Nummer der Limitierung verewigt. Die bis drei bar wasserdichten Gehäuse mit einseitig entspiegeltem Saphirglas und Sichtboden messen 40 Millimeter.

Ganz nach dem Motto „geteilte Freude ist doppelte Freude“ präsentierten die Ebsteins und Thomas Gottschalk am Abend in Luzerner Verkehrshaus (ein Museum) auch ein neues Charity-Unikat, das ab Mitte Oktober vom Genfer Auktionshaus Antiquorum (www.antiquorum.com) online versteigert wird.

Ankündigung einer Wohltätigkeits-Auktion bei Antiquorum

Mit dem Erlös aus dem Verkauf der „Sirius Lion Heart“ möchte Chronoswiss einige Herzenswünsche schwerkranker Kinder zu erfüllen. Und zwar zusammen mit der gemeinnützigen schweizerischen Organisation „Make-A-Wish“.

Dieses karitative Engagement besitzt bei Chronoswiss übrigens schon eine beachtliche Tradition. Beispielsweise erfuhren die World Childhood Foundation unter Schirmherrschaft der schwedischen Königin Silvia oder die Initiative Horizont e.V. der Schauspielerin Jutta Speidel entsprechende Unterstützung. Und im Herbst 2013 erlöste ein speziell gefertigtes Chronoswiss Unikat bei der Charity-Auktion „Only Watch“ Auktion im rund 50.000 Schweizerfranken.

Auch beim aktuellen „Make-A-Wish“-Modell mit handguillochiertem und in Cloisonné-Emailtechnik veredeltem Weißgold-Zifferblatt zeigt Chronoswiss Handwerkskust auf höchstem Niveau. In Anlehnung an das Luzerner Wahrzeichen, welches sich nahe des House of Chronoswiss befindet und als Namenspate der Löwenstraße diente, präsentiert das Zifferblatt des Unikats einen majestätischen Löwen mit Schweizer Flagge.

Sehenswert ist auch der „Rücken“ des Löwen: Saphirglas gestattet tiefe Blicke ins tickende Herz dieses Zeitmessers. Dabei handelt es sich um ein filigran skelettiertes Handaufzugskaliber Eta 6498 mit floralen Details und handguillochierten Elementen.

Ob Thomas Gottschalk ab Mitte Oktober mitbieten wird, mochte er mir beim Apertitiv unter der majestätisch auf drei massiven Säulen thronenden „Coronado“ nicht erzählen. Auszuschließen ist es freilich nicht.

Aperitiv unter der alten Swissair Coronado

Als mir später Martin Bütikofer, der Direktor des Luzerner Verkehrshauses die Hecktür der Convair CV 999 „Coronado“ aufsperrte, wurden lange zurückliegende Flugerinnerungen wach.

Business- und Holzklasse in der Coronado

Raucher-Lounge in der Coronado

Mit dem damals schnellsten Verkehrsflugzeug der Welt, welches beinahe 1.000 Stundenkilometer schaffte, düste ich Anfang der 1970-er Jahre von Zürich nach Lima und zurück.

Im vier -Mann-Cockpit der Swaissair Coronado saßen der Pilot, Copilot, Bordtechniker und Navigator

Weil der Jet extrem durstig war, mussten wir auf dem Rückflug gleich zwei Mal zwischenlanden. Einmal in Guadeloupe und dann nach der Überquerung des Atlantik nochmals in Lissabon. Ihr gewaltiger Durst brachte 1975 schließlich auch das Aus für die Coronado. Aber die Concorde konsumierte später bekanntlich noch mehr Kerosin.

Für Furore in Luzern sorgte an eben jenem 21. August auch das Bekanntwerden der Tatsache, dass insgesamt sieben von neun Marken der Swatch Group dem traditionsreichen Luzerner Fachhändler Gübelin

Gübelin am Schwanenplatz in Luzern

mit mehreren Filialen in der Schweiz zum 31.12.2014 die Konzession kündigten. Verloren gehen Gübelin die Marken Breguet, Blancpain, Omega, Longines, Rado, Mido und Tissot.

Ab 1. Januar 2014 Vergangenheit: der Breguet Corner bei Gübelin in Luzern

Dass es sich um eine konzertierte, weil von oben angeordnete Aktion handelte, wies die Swatch Group in diesem Zusammenhang vehement zurück. Alle Marken hätten völlig autonom entschieden. Auch Raphael Gübelin, aktueller Chef des 160 Jahre alten, in langer Tradition mit der Swatch Group verbundenen Familienunternehmens gab sich im Gespräch betont zugeknöpft. Vielleicht möchte er die Türen auf jeden Fall weiterhin offen halten. Sicher ist jedoch, dass Gübelin in Zukunft große Anstrengungen unternehmen muss, um den massiven Umsatzrückgang aufzufangen. Zahlen werden auch hier traditionsgemäß nicht publiziert. Mein Kollege Markus Köchli von der Schweizer Handelszeitung schätzt den Jahresumsatz von Gübelin auf etwa 250 Millionen Schweizerfranken. Davon dürften seiner Meinung nach etwa 70 Millionen auf besagte sieben Swatch-Group-Marken entfallen sein. Ob dieser gewaltige Aderlass Entlassungen zur Folge haben wird, bleibt abzuwarten. Über die Alternativen der Swatch Group wurde in Luzern nur gemunkelt. Vielleicht, war da und dort zu hören, wolle der Bieler Uhren-Multi den Vertrieb am attraktiven Standort bis zum Endkunden selbst in die Hände nehmen. Angeblich habe man sich beim Stadtpräsidenten nach frei werdenden Ladenflächen erkundigt. Immerhin werden in keiner anderen Stadt der Schweiz ähnlich viele Uhren verkauft. Der größte Teil davon geht an Touristen, die täglich aus aller Herren Länder, zum großen Teil aus China, mit Bussen nach Luzern gebracht werden. Als Trostpflaster bleiben Gübelin cK aus dem Swatch-Group-Portfolio cK und Glashütte Original. Und Chronoswiss hält die Partnerschaft selbstverständlich ebenfalls aufrecht.

 

Bei Gübelin weiterhin erhältlich: Uhren aus der aktuellen Chronoswiss-Kollektion

Keine Frage, das Ablesen der Uhrzeit ist bei diesem neuen Chrono von Longines gewöhnungsbedürftig. Sehr gewöhnungsbedürftig. Davon weiß ich eigenen Erfahrungen ein Lied zu singen. In den 1970-er Jahren kaufte ich mir verschiedene Breitling Chronographen, bei denen sich der Stundenzeiger ebenfalls nur einmal pro Tag um seine Achse dreht. Für Piloten, Soldaten oder Menschen, die den natürlichen Wechsel von Tag und Nacht aus welchen Gründen auch immer nicht wahrnehmen können, ist diese Stunden-Indikation eine hilfreiche Angelegenheit. Aber Mann muss sich, wie gesagt, daran gewöhnen.

„The Longines Twenty-Four Hours Single Push-Piece Chronograph“

Andererseits weckt diese außergewöhnliche und wegen des besagten Sachverhalts auch rare Form der Stundeanzeige Aufmerksamkeit bei anderen. Ich kann heute gar nicht mehr sagen, wie oft ich damals darauf angesprochen wurde, dass meine Uhr falsch geht. Wenn ich dann Aufklärung leistete, war das Erstaunen groß.

Longines, die Schweizer Traditionsmarke mit ausgewiesener Kompetenz auf dem Gebiet der Chronographen und auch Instrumentenuhren, hat soeben mit dem  „The Longines Twenty-Four Hours Single Push-Piece Chronograph“ ein weiteres zeitschreibendes Manifest auf den Markt gebracht. Sein Stahlgehäuse misst, wie jenes des Originals aus dem Firmenarchiv, stolze 47,5 Millimeter. Männer mit sehr zierlichen Handgelenken könnten also gewisse Schwierigkeiten mit diesem Instrument haben. Um einen Hingucker handelt es sich auf jeden Fall. Im großen Vorbild tickte dereinst ein modifiziertes Taschenuhr-Kaliber. Die aktuelle Version beseelt das exklusive, weil von der Schwester Eta im Auftrag von Longines entwickelte Automatikkaliber L789. Dabei handelt es sich um ein Derivat der in meinem Blog bereits ausgiebig vorgestellten Schaltrad-Kaliber L688 mit zwei Chronographen-Drückern oder L788 mit nur einem Kronendrücker. Letzterer findet sich auch hier. Er startet und stoppt den zentralen Chronographenzeiger. Seine dritte Funktion besteht in der Nullstellung. Einen Zählzeiger sucht Mann bei dieser Armbanduhr vergebens. Bei der „9“ rotiert die Permanentsekunde. Und oberhalb der „6“, pardon, in diesem Fall muss es natürlich korrekt „12“ heißen, findet sich ein Fensterdatum.

Auf einen Sichtboden hat Longines bei dem bis drei bar wasserdichten Gehäuse bewusst verzichtet, denn das auch ETA A08.L21 titulierte Uhrwerk mit einseitigem Rotoraufzug, vier Hertz Unruhfrequenz, 27 funktionalen Steinen und 54 Stunden Gangautonomie misst nur rund 30 Millimeter. Dafür ziert den massiven Stahlboden das altbekannte Markenlogo, die geflügelte Sanduhr. Zifferblätter stehen in schwarzem oder silbernem Farbton zur Verfügung. Alligator-Lederbänder gibt es in Schwarz oder Braun. Der Preis: EUR 3.240

 Factsheet zur Uhr:

Referenz: L2.797.4.53/73.x

Kaliber: Automatikwerk mit einseitig wirkendem Kugellagerrotor, Eindrücker-Mechanismus und Schaltrad-Chronograph

Kaliber L789.2 (ETA A08.L21)

13¼ Linien, 27 Rubine, 28.800 Halbschwingungen pro Stunde

54 Stunden Gangautonomie

Funktionen: 24-Stunden-Indikation, Minuten, Permanentsekunde

Fensterdatum, 60-Sekunden-Chronograph mit Schwingtrieb-Kupplung und Schaltradsteuerung

Gehäuse: Edelstahl, Ø 47,5 mm

Kronendrücker zur Steuerung des Stoppers

Saphirglas, mehrfach antireflexbeschichtet

Wasserdichte: drei bar (30 Meter)

Zifferblatt: silberfarben mit Super-LumiNova-Ausstattung oder

Achwarz ebenfalls mit Super-LumiNova-Ausstattung

 Preis: EUR 3.240

Eigentlich war der Tag, den ich zum kürzlich Besuch der Glashütter Uhrenmanufaktur Mühle eingeplant hatte, am Ende schlichtweg zu kurz. Allein schon die Gespräche mit Hans-Jürgen Mühle und seinem Sohn Thilo

Thilo (links) und Hans-Jürgen Mühle

über die Uhrenszene im abgeschiedenen Müglitztal, zu Zeiten des DDR-Regimes wegen des schlechten Empfangs westlicher Radio- und Fernsehsender spöttisch auch „Tal der Ahnungslosen“ genannt, und die bewegte Historie des 1869 von Robert Mühle an selbigem Ort gegründeten Familienbetriebs  hätten mehrere Stunden dauern können. Insbesondere Hans-Jürgen Mühleist ein wandelndes Lexikon, wenn es um diesen Landstrich geht. Kein Wunder möchte man sagen, denn nach der Geburt eben hier im Jahre 1941 und dem Schulbesuch absolvierte der „Ruheständler“ eine Ausbildung zum Feinmechaniker. Nach dem verlängerte Dienst in der Nationalen Volksarmee, welcher das anschließende Studium  mit feinmechanischem und optischem Schwerpunkt in Jena erst ermöglichte, fand man den Vater des heutigen Firmenchefs wieder in Glashütte, wo er sich in 4. Generation um das auf Messinstrumente und Tachometer spezialisierte Familienunternehmen kümmerte.

Der Firmengründer

Robert Mühle

hatte das Renommee mit der Entwicklung und Produktion ausgeklügelter Präzisions-Messinstrumente für die heimische Uhrenindustrie begründet.

Produkte der ersten Generation: Messistrumente für die Uhrenindustrie und Tachometer

Unter der Ägide seiner drei Söhne Paul, Alfred und Max Mühle fand eine Erweiterung des Produktspektrums statt. Ab 1925 fertigte Robert Mühle & Sohn beispielsweise Auto-Borduhren, Tachometer und Drehzahlmesser. Die Kunden gehörten zur Crème de la Crème: BMW (Motorräder), DKW, Horch und auch Maybach.

Paul Mühle und einer seiner Tachometer

Dann kam der Zweite Weltkrieg mit all seinen negativen Konsequenzen, bei dem auch Teile Glashüttes durch einen Fliegerangriff zerstört wurden. Was das  Bombardement kurz vor Kriegsende im Jahr 1945 durch die amerikanische Luftwaffe nicht zerstörte, wurde demontiert und deportiert. Letzteres traf auch Mühle, weil R. Mühle & Sohn -zwangsweise- auch Instrumente für die Deutsche Wehrmacht produziert hatte, kam es zur Enteignung. Doch Hans Mühle ließ sich nicht entmutigen.

Hans Mühle

Einem Stehaufmännchen gleich rief er noch im Dezember 1945 eine neue Firma ins Leben. Selbige setzte die auf viel Erfahrung und Kompetenz gründende Tradition fort. Will heißen: Entwicklung und Herstellung unterschiedlichster Messgeräte. Dazu gesellten sich Manometer und Temperaturmesser. Die Tatsache, dass Mühle 1969 in Glashütte ein Monopol auf dem Sektor der Messuhren und der Regeltechnik

besaß, war ein Grund zur zwangsweisen Verstaatlichung im Jahr 1972. Dazu Hans-Jürgen-Mühle: „Am 16. April 1972 zum Betriebsschluss um 16 Uhr, war ich in den Augen der Ost-Obrigkeit noch Kapitalist. Einen Tag später um 7 Uhr sah die Welt ganz anders aus.  Für die anschließende Leitung der Firma musste ich mich ganz normal bewerben.“ Und der Unternehmer bekam den Job im Range eines „Betriebsdirektors der sozialistischen Wirtschaftsführung“. Ganz leer ging Mühle durch die Zwangsmaßnahme übrigens nicht aus. Bei der Bewertung des betrieblichen Vermögens fanden freilich nur vollendete Produkte und Projekte ihre Berücksichtigung. Alles, was sich im Stadium nascendi befand, „fiel einfach unter den Tisch.“ Das galt auch für einen bereits angefangenen Gebäudetrakt. 1980 erfolgte die Integration in den VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB), wo Hans-Jürgen Mühle es bis zum Vertriebsleiter brachte. Kein Wunder, dass er fast Jede und Jeden in Glashütte kennt. Hier war er unter anderem für den Vertrieb von Schiffschronometern mit elektronischen Quarzwerken zuständig . 1985 konnten rund 500 Exemplare fertiggestellt werden. Die  tägliche Gangabweichung lag bei einer Hundertstelsekunde.

Dann kam das Jahr 1989 und mit ihm die legendäre „Wende“. Mit dem VEB GUB gelangte auch das Familienerbe der Mühles ins Eigentum der Treuhand. Weil das eigene Unternehmertum zu Hans-Jürgen-Mühle gehört wie das Salz zur Suppe, rief er 1994 die „Mühle-Glashütte GmbH nautische Instrumente und Feinmechanik“ ins Leben.

Zur ersten Mannschaft gehörten insgesamt vier Personen: Hans-Jürgen Mühle, der sich um den  Verkauf von Schmuck kümmerte, ein Konstrukteur aus der alten Firma, eine Uhrmacherin und ein Chronometermacher. Dass das kleine Startup-Unternehmen in den ersten beiden Jahren an die einschlägige Vergangenheit knüpfte und das Thema nautische Instrumente groß schrieb, mag an dieser Stelle nicht verwundern. Professionelle Marinechronometer, Schiffsuhren sowie andere Instrumente wie Baro- und Hygrometer ernährten das Team. Auch wenn der Anfang nicht einfach war: Zur Typprüfung schickte Hans-Jürgen Mühle zwei Exemplare seiner neu entwickelten Marine-Chronometer nach Hamburg in die dortige Seewarte. „Jede der Prüfungen kostete uns 10.000 Mark. Und wir warteten ungefähr vier Wochen mit flauem Magen auf die Resultate.“ Die Antwort auf die Frage, warum dann gleich zwei Stück: „Wir gingen davon aus, dass es einer auf jeden Fall schafft. Aber zu unserer Freude sind beide anstandslos durchgekommen.“

Auch heute noch von Mühle in Glashütte gefertigt: Marine-Chronometer mit Quarzwerk

So mauserte sich  Mühle nach und nach zum technischen Weltmarktführer bei GPS-gesteuerten und quarzstabilisierten Uhrenanlagen samt Nebenuhren und intelligenten Schnittstellen beispielsweise für Kreuzfahrtschiffe.

Mühle Schiffs-Uhrenanlage mit intelligenter Steuereinheit unf Nebenuhren

Die „Aida“-Flotte ist mit Mühle-Uhren unterwegs oder das Greenpeace-Schiff oder die „Columbus“ oder die Superfast-Fähren von Italien nach Griechenland und zurück. Jährlich verlassen fünf bis sechs dieser Uhrenanlagen die Manufaktur.

Mühle Glashütte, Atelier für Großuhren

Das beschert zwar keine Riesen-Umsätze, aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist.

Mit der Marine-Fliegeruhr 1 brachte Mühle 1995/96 seinen ersten Zeitmesser fürs Handgelenk auf den Markt. In den anschließenden Jahren entwickelte sich dieser Geschäftszweig zur tragenden Säule. Gegenwärtig entstehen in den Ateliers etwas abseits vom Ortszentrum, wo sich nahezu alle Marken mit dem imageträchtigen Zusatz-Schriftzug Glashütte i/Sa versammelt haben, jährlich etwa 9.000 Armbanduhren in insgesamt fünf Produktfamilien. Unangefochtener Leader ist der S.A.R. Rescue-Timer.  

Hans-Jürgen Mühle bei der Präsentation des S.A.R. Rescue Timers

Seine Entwicklung basiert auf neun Monate währenden Diskussionen mit Eisatzkräften auf Seenot-Rettungskreuzern der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Auf 56 Schiffen befinden sich diese hoch belastbaren Zeitmesser nicht nur im Dauer-Einsatz, sondern auch im Dauertest.

S.A.R. Rescue Timer von Mühle

Das Feedback der Kommandanten fließt, wenn erforderlich in die Evaluation der bis 100 atm. wasserdichten Automatik-Armbanduhren ein.  Auf S.A.R. folgte die sehr klassisch gestaltete „Teutonia“-Linie, welche es in ganz unterschiedlichen Ausführungen mit Handaufzug, Automatik oder Selbstaufzugs-Chronograph gibt.

Ausgezeichnet mit der Goldenen Unruh 2014 - der Teutonia II Chronograph

Drei Viertel der produzierten Uhren gelangen an deutsche Handgelenke. Zu den wichtigsten Exportmärkten gehören die USA, England und China.

Eine nicht unbedingt erbauliche Zäsur brachte 2005.  Ab diesem Jahr erhitzte ein hitzig ausgetragener Rechtsstreit mit Nomos Glashütte die Gemüter. Zankapfel war die Frage, ob Mühle bei seinen mit Schweizer Rohwerken ausgestatteten Uhren die so genannte „Glashütter-Regel“ erfüllt.  Das  Wettbewerbsrecht besagt nämlich, dass nur Zeitmesser mit überwiegendem dortigen Wertschöpfungsanteil die Herkunftsbezeichnung „Glashütte” tragen dürfen.

Die Notwendigkeit, mit Blick auf ein zu erwartendes Gerichtsurteil millionenschwere Rücklagen bilden zu müssen, zwang das an sich wirtschaftliche Familienunternehmen Mühle am  04. Juli 2007 in die Insolvenz wegen drohender Überschuldung. Selbige beeinträchtigte die Fortführung des Geschäftsbetriebs unter der Leitung des gleichermaßen erfahrenen Thilo Mühle in keiner Weise.

Thilo Mühle, Geschäftsführer seit dem Neustart im Jahre 2007

Der konnte auf einen motivierten Mitarbeiterstamm und eine attraktive Kollektion bauen. Bereits im März 2008 wurde Mühle vom Insolvenzverwalter aus dem Verfahren entlassen. Und damit konnte der Start in eine neue Zukunft beginnen. Natürlich mit der Herkunftsbezeichnung „Glashütte“ auf dem Zifferblatt, natürlich mit dem Fokus auf sachlich gestaltete, bestens ablesbare Zeitmesser. Nur so konnte sich der Kreis zur Unternehmens-Genese seit 1869 schließen.

Vorbei sind seitdem die Zeiten, in denen man Mühle angreifen und zumindest über die Glashütter Wertschöpfung diskutieren konnte. Seit 2011 lautet das bewegende Thema eigene Manufaktur.Aber auch die weiterhin zugekauften Kaliber eidgenössischen Provenienz stehen außerhalb jedweder Debatte.

Ein Aufzugsrotor von Mühle in verschiedenen Bearbeitungsstufen

Eigene Rotoren für die Automatikwerke, die patentierte Spechthals-Feinregulierung und jede Menge Feinbearbeitung im sächsischen Müglitztal setzten unübersehbare Zeichen. Die Chronographenkaliber Eta 7750 oder das Pendant Sellita SW 500 modifiziert Mühle durch den Einbau einer Dreiviertelplatine derart stark, modifiziert dass die eigene Kaliberbezeichnung MU9413 vollauf gerechtfertigt ist.

Das Kaliber Mühle MU 9413 mit Selbstaufzug und Chronograph

Apropos Spechthals-Feinregulierung. Hiervon gibt es mittlerweile für die verschiedenen Kaliber nicht weniger als drei Versionen. Im Gegensatz zum bekannten Schwanenhals, welcher den Rückerzeiger in der Horizontalen spielfrei hin und her bewegt, tut das die ausgeklügelte Spechthals-Vorrichtung auch in der vertikalen Richtung.

Warum, das erklärt Thilo Mühle: „Bei unserem System können sich auch heftige Stöße nicht auf die Position des Rückerzeigers auswirken. Die Reglage bleibt in jedem Fall erhalten. Das ist für unsere Uhren, die teilweise härtesten Beanspruchungen standhalten müssen, ein unverzichtbarer Aspekt.“

Nach dem Motto, dass Mann durch Schaden klug wird, haben Thilo Mühle und sein Vater, der im Unternehmen weiterhin ein kleines Büro besitzt, die Fertigungstiefe während der vergangenen Jahre konsequent gesteigert. Mit Hilfe moderner, natürlich computergesteuerter Fertigungs- und Bearbeitungszentren, welche, wenn es technisch sein muss, auf den Tausendstelmillimeter genau arbeiten können, entstehen die Platinen, Brücken und Kloben des in meinem Blog bereits vorgestellten Spektrums eigener Werke vor Ort.

Mit Hilfe computergesteuerter Kern-Fertigungszentren enstehen bei Mühle in Glashütte Gestellteile (Platinen, Brücken Kloben) oder Schwungmassen

Gleiches gilt für die individualisierten Aufzugs-Schwungmassen. Die Produktion kleiner Stahl-Rohteile per ebenfalls computergesteuerter Funkenerosion geht verständlicher Weise im Lohnauftrag vor sich. Die geringen Quantitäten würden den Erwerb extrem teurer Präzisionsmaschinen schlichtweg nicht rechtfertigen. Aber Kollegen in Glashütte, welche über einen entsprechende Gerätschaft verfügen, helfen gegen Bezahlung ihrer Arbeit gerne aus. Für den Glashütter Wertschöpfungsfaktor spielt es in diesem Zusammenhang keinen Rolle, wer tätig wird. Wichtig ist vielmehr, dass es in einem klar definierten Dunstkreis rund um die Ortschaft im Erzgebirge geschieht. Was sich Mühle nicht nehmen lässt, ist eine akribische Kontrolle der zugekauften Komponenten auf Maßhaltigkeit und Qualität.

Optische Messanlage zur Qualitätskontrolle bei Mühle in Glashütte

Erst dann geht es an die Feinbearbeitung, also u.a. das Anglieren, das Polieren,

oben und unten: Spechthals-Feinregulierung

Komponenten-Feinbearbeitung bei Mühle

das Anbringen von Schliffen

Dreiviertelplatinen von Mühle verdedelt durch Streifenschliff

oder das Veredeln samt Bläuen der Schrauben,

Schrauben und ihre Veredelung bei Mühle in Glashütte

sowie anschließend –in neu gestalteten Werkstätten unter dem Dach- die gewissenhafte Montage zum Ganzen, welches bekanntlich immer mehr wert ist als die Summe seiner Teile. 

Montage und Reglage von Uhren bei Mühle in Glashütte

Für die Regulierung der mechanischen Kaliber haben sich Thilo Mühle und sein Team klare Normen auferlegt: fünf Lagen und ausschließlich Vorgehen bis zu acht Sekunden täglich. Die offizielle Chronometernorm gibt höchstens plus Sekunden pro Tag vor, lässt aber auch minus vier Sekunden zu. Das Delta beträgt demnach insgesamt zehn Sekunden während Mühle sich hier auf besagte acht Sekunden beschränkt.

Insgesamt stehen bei Mühle in Glashütte derzeit 52 Menschen auf der Gehaltsliste. Dazu gehören ab September 2014 nicht weniger als fünf Auszubildende.

Lehrwerkstatt bei Mühle in Glashütte

33 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Produktion tätig. Bei 21 handelt es sich im ausgebildete Uhrmacher. Mit von der Partie sind ferner ein Konstrukteur und ein Prototypist.  Der Rest erledigt administrative, distributive und kommunikative Aufgaben.

In der Konstruktionsabteilung findet übrigens auch die Frage, warum sich die Krone der S.A.R.-Modelle bei der „4“ befindet, ihre unmissverständliche Beantwortung: „Auf diese Weise kann sie sich nicht in den Handrücken bohren.“

S.A.R. Rescue Timer

Über die Jubiläumskaliber und -modelle von Mühle Glashütte hatte ich ja schon berichtet. Für alle, die in meinem Blog nicht zurückblättern wollen, hier nochmals die Fakten:

An das biographische Auf und Ab erinnern drei limitierte, bis zehn bar wasserdichte Armbanduhren mit 44 Millimeter Gehäusedurchmesser, von denen zwei bezeichnender Weise Robert Mühle Auf/Ab heißen. 

Zwanzig Exemplare gibt es von der Massivgold-Version mit dem Handaufzugskaliber RMK 01. Die Edition des stählernen Pendant beschränkt sich auf 145 Stück.

Durch die Gangreserveanzeige unterhalb der „12“ wecken diese beiden Zeitmesser Assoziationen an klassische Marine-Chronometer.  Das RMK 02, welches sich in der stählernen und damit ebenfalls auf 145 Exemplare limitierten „Robert Mühle Kleine Sekunde“ findet, besitzt keine „Tankuhr“.

Bei den genannten Groß-Kalibern RMK 01 und RMK 02 mit 36,6 Millimetern Durchmesser handelt es sich grundsätzlich um Eigenkonstruktionen.

In Glashütte entstehen auch rund 80 Prozent aller Teile. Beispielsweise werden die Flachteile (Grundplatine, Räderwerksplatine, Anker- und Unruhkloben, Modulplatine des Auf/Ab-Werks) auf eigenen CNC-Bearbeitungszentren produziert.

Darüber hinaus fertigt Mühle auch Federn, Klinken und Hebel für die Feinregulierung oder das Langloch-Gesperr auf diesen Maschinen. Rädersatz, Federhaus und das in Chronometerqualität ausgeführte Assortiment stammen, wie sich beim Blick auf die Geometrie zeigt, vom Eta/Unitas 6498 ab. Aber das erkennen in der Tat nur Eingeweihte, denn die Techniker und Handwerker bei Mühle haben ganz im Sinne Glashütter Uhrmacherei gewirkt. Das zeigt sich u.a. an der Dreifünftel-Platine, drei verschraubten Gold-Chatons, dem Glashütter Langloch-Gesperr, dem separaten Kloben zur Lagerung des Ankerrads, dem gravierten Unruhkloben und eben auch der Spechthals-Feinregulierung.

Merkmale Kaliber RMK 01:

Durchmesser 36,6 Millimeter

Bauhöhe 8,35 Millimeter (bedingt durch die modulare Gangreserveanzeige)

145 Komponenten

29 Steine

Glucydur-Unruh, Nivarox-1-Flachspirale

Unruhfrequenz drei Hertz (21.600 A/h)

Gangautonomie 56 Stunden

Modulare Gangreserveindikation

 Merkmale Kaliber RMK 02:

Wie Kaliber RMK 01, keine Gangreserveanzeige

Bauhöhe 6,85 Millimeter

120 Komponenten

18 Steine

Die Preise der Jubiläumsmodelle:

Robert Mühle Kleine Sekunde Stahl: 4.500 Euro
Robert Mühle Auf/Ab Stahl: 6.900 Euro
Robert Mühle Auf/Ab Gold: 16.000 Euro

Einsteiger mit ausgeprägtem Hand zu exklusiver Mechanik kommen hingegen bei beim Handaufzugskaliber MU 9412 zu ihrem Recht.

Das Handaufzugskaliber Kaliber MU 9411 und sein Nachfolger MU 9412

Das 25,6 mm große und 3,4 mm hohe Oeuvre mit Glashütter Dreiviertelplatine und so genannter Spechthalsregulierung für den Rücker entstammt eigener Entwicklung und Fertigung. Der Gangregler oszilliert mit vier Hertz. Spätestens nach 42 Stunden muss die Zugfeder manuell über die Krone gespannt werden. Zu den Ausstattungsmerkmalen gehören ferner Zentralsekunde, Sekundenstopp und Fensterdatum mit Möglichkeit der Schnellkorrektur. Dieses Uhrwerk lässt durch den Sichtboden der stählernen „Teutonia III“ beim Ticken beobachten. Ihr Preis: 1.900 Euro.

Dass Thilo Mühle mit seiner Philosophie richtig liegt, zeigt ein kontinuierliches Wachstum. Selbiges wird seinen Beitrag dazu leisten, dass die verbliebenen finanziellen Verpflichtungen aus dem Insolvenzverfahren von 2007 bald getilgt sein werden und die Glashütter Manufaktur mit dem Anspruch „viel Uhr fürs Geld“ aus gesicherter Perspektive in die Zukunft blicken kann.

Nach den mir heute zugespielten Informationen wird die in Pforzheim ansässige Firma Luxury Brand GmbH künftig die Distribution von Eterna für Deutschland und Österreich übernehmen. Geschäftsführer Philipp Kohlermann hat auch noch TW Steel in seinem Produkt-Portfolio.

Hublot liebt Fußball, daran besteht nicht der geringste Zweifel. Die in Nyon bei Genf beheimatete Uhrenmanufaktur pflegt Partnerschaften u.a. mit dem FC Bayern München,

Hublot, Partner des FC Bayern München. Im hellen Anzug neben Karl-Heinz Rummenigge: Jean-Claude Biver

Flamengo Rio,

Hublot, präsent in Rio de Janeiro

Juventus Turin, Paris Saint-Germain und Ajax Amsterdam. Bei der Mitte Juli zu Ende gegangenen FIFA Weltmeisterschaft waren die Tafeln zur Anzeige eines Spielerwechsels sowie der Nachspielzeit nicht zu übersehen. Über die eigens zur 2014-er WM hergestellte, in den Hublot Boutiquen offerierte und zwischenzeitlich längst ausverkaufte Armbanduhr habe ich in meinem Blog schon vor Wochen berichtet.

Wissenswert ist auch die Tatsache, dass Hublot bei Fußballspielern ganz hoch im Kurs steht. Das war bereits im Fernsehen zu beobachten, wenn Star-Kicker mit ihrer Hublot am Handgelenk auftraten.

Der Mann mit dem Kochlöffel: Hublot-CEO Riccardo Guadalupe während der Fußball-WM in Rio

Als ich Ricardo Guadalupe am Rande der WM in Rio danach fragte, wie viele Uhren Hublot denn jedes Jahr an Fußballspieler verschenke, lachte der Hublot-CEO nur laut auf. „Wir haben nichts zu verschenken, denn wir leben davon, dass wir unsere Produkte verkaufen.“ Diese Meinung teilt auch sein Vorgänger im Amt. Einmal wies Jean-Claude Biver einen Ex-Star des Fußballclubs Manchester United, der eine Uhr gratis bekommen wollte, mit klaren Worten in seine Schranken: „Von uns bekommst du keine Uhr umsonst. In diesem Fall wür­dest du den Respekt verlieren. Wenn du eine Hublot möchtest, kannst du sie dir kaufen, denn du hast Geld genug.” Und sie kaufen in der Tat, die Profis. Für sie stehen die Zeitmesser mit der augenfälligen Optik auf der gleichen Stufe wie schnelle Autos. Seit etwa 2006 ist Hublot in der Beliebtheitsskala bei Fußballern kontinuierlich nach oben geklettert. Das hat beispielsweise die französische Zeitschrift L’Equipe im November 2013 eruiert. In der Beilage „Sport & Style” stand zu lesen, dass Uhren von Hublot bei den französischen Nationalspielern vor solchen aus den Häusern Rolex und Audemars Piguet rangieren. „Fast alle besitzen eine (Hu­blot), in der Regel einen Big-Bang- oder Classic-Fusion-Chronograph.” Teilweise sogar mit Brillanten besetzt.

In anderen Nationen sieht das vermutlich nicht anders aus.

Bekanntlich konnte das deutsche Team den Weltmeister-Pokal im Siegerflieger der Lufthansa nach Berlin bringen.

Aus diesem Anlass, auch das habe ich hier schon berichtet, planten Riccardo Guadalupe und sein Team schon in Rio de Janeiro eine Sieger-Armbanduhr. Genau genommen sind es zwei: Ein Chrono mit Titangehäuse für 9.600 Euro und einer mit goldener Schale für 26.400 Euro. Ersterer ist auf 100, letzterer auf 30 Exemplare limitiert.

Geliefert werden sie im September 2014.

Bei mir gibt es das Duo nun erstmals zu sehen. Voilà:

Die beiden Weltmeister-Chronographen 2014 von Hublot

oben Titan, 100 Stück, 9.600 Euro

unten Gold, 30 Stück, 26.400 Euro

Vor gut einer Woche habe ich an dieser Stelle über Porsche Design und die mit diesem Namenszug signierten Uhren berichtet. Außer einer Zeichnung konnte ich bezüglich der 2014-er Neuigkeiten damals noch nichts Konkretes präsentieren.

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Nun habe ich hier exklusiv die ersten Fotos der beiden Newcomer. Es handelt sich um zwei auf jeweis 500 Exemplare limitierte Automatik-Chronographen mit Titangehäuse und -band sowie dem bewährten Kaliber Eta/Valjoux 7750. Der Name: Timepiece Nr. 1 in Erinnerung an Ferdinand A. Porsche.

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Einer trägt, wie der Klassiker von 1973, eine schwarze Beschichtung. Weil sich diese technisch auf der Höhe unserer Zeit befindet, ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Farbe bei strapazierendem Tragen löst.

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Meine Fotos zeigen Prototypen, bei denen u.a. die Zeigerlängen noch nicht stimmen.

Die bis fünf bar (50 Meter) wasserdichten Schalen verfügen über getönte Saphirglas-Sichtböden, durch die sich das Uhrwerk mit speziell gestaltetem Rotor beobachten lässt.

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Die Preise der neuen Uhren werden sich in der Größenordnung von etwa 5.000 Euro bewegen. Das schwarze Modell soll etwa 500 Euro mehr kosten als die unbeschichtete Version des Chronographen. Geliefert wird im vierten Quartal 2014.

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Dass der Herbst mit Riesenschritten naht, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Mit Blick auf die gleichermaßen bunte wie graue Jahreszeit bringt Panerai Abwechslung ins Uhrenleben.

Und zwar mit farbenfrohen Lederbändern.

Selbige, meine Herren, eignen sie sich vorzüglich als gerne gesehenes Geschenk für die Dame des Herzens.

Falls die eine Panerai besitzt, versteht sich.

Am 21. August 2014 werden Eva Maria und Oliver Ebstein in der Luzerner Innenstadt zusammen mit geladenen Gästen die Eröffnung des House of Chronoswiss zelebrieren.Exklusiv kann ich heute schon zwei Upgrade-Fotos zeigen:

Hinter der prachtvollen Fassade finden sich fortan die Chronoswiss Ateliers, aber auch die Administration.

Durch die Scheiben der Schauwerkstätten können Besucherinnen und Besucher bald schon das Entstehen der Chronoswiss-Zeitmesser verfolgen, beispielsweise der Sirius retrograde Day:

Wie ich soeben erfahren habe, heißt der neue Eigentümer von Ulysse Nardin Kering. Und zwar zu 100%. Chai Schnyder, die in Malasia lebende Frau des verstorbenen UN-Retters Rolf Schnyder im Jahr 1983, dazu die Minderheitsaktionäre Dieter Meier (Popgruppe Yello) und sein Bruder Balthasar Meier (Fogal Strümpfe). Zur Kering-Luxusgruppe, früher PPR, gehören neben Gucci u.a. auch Girard-Perregaux und JeanRichard. Das Management von UN bleibt dem Vernehmen nach komplett erhalten.